Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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!— 17 Bibel, welches / die Grundlage des neuen Glaubens wurde, mußte ja in jedem Christen die Erkenntnis der nahen Verwandtschaft des Christentums mit dem Judentume wecken wenn nicht gar zum Judentume fuhren, wie es in'dieser Gährungszeit des Protestantismus bei zahlreichen Gemeinden der Falt war, die da glaubten, sie müssen nun den Sabbath feiern und jüdische Gebrauche beobachten. Abeö auch für die. Inden unter römisch gebliebenen Christen standen nun bessere Zeiten in Aussicht. Denn die Spaltung der Christenheit mußte auch christliche Minoritäten in jedem Lande, in jeder Stadt schaffen und Jeder hätte für seine Glaubensgenossen die Verfolgung um des Glaubens 'willen zu befürchten, wenn man dieses Prinzip gelten läßt. Ter Kampf der Reaktion gegen die Protestanten, der mit dem Sieg auf dem weißen Berge eingeleitet nmrde, mußte die Inden mit der Besorgnis erfüllen', daß die Bewegung überall unterdrückt, und die alten Zustande wieder auf der ganzen Linie sich behaupten konnten. Sie enthusiasmierten sich daher für den Schwedenkönig Gustav Adolf, in den die Protestanten alle Hoffnung setzten, lange bevor er noch auf deutschem Boden landete. Eine schwärmerische Verehrung für diesen jugendlichen Helden hatte ein junges Ehepaar unter den wenigen Inden Magdeburgs — Aaron Lewi und seine Fran. Gustav Adolfs Bild, das in zahllosen Exemplaren in Tenlschland zirkulierte, schmückte die gute Stube, in welcher das junge Paar sich znsammenfand,-wenn der Gatte seiner Geschäfte ledig am Abend heimkehrte, und wahrend er von den neuesten Nachrichten über den Krieg, wie er sie tagsüber horte, erzählte, versenkten sie ihre Blicke in das Bild, von dessen Person man alles Heil erwartete. Als das Kriegsgelvolk sich über Magdeburg zusammenzog, hatte Aron Lewi bereits ein dreijähriges Töchterchen, namens' Tinah. Bei der Zerstörung der Stadt durch -die Kaiserlichen, der seit der Zerstörung Jerusalems an Grausamkeiten nichts glich, verlor er seine Fran und sein Vermögen. Mit schwerer Not rettete er sein Kind, mit dem er sich fluchtete und bettelnd bis nach Paris gelangte. Ehemalige Geschäftsfreunde erwirkten ihm dae- Auferuhaltsrecht hier, und er begann wieder zu arbeiten, um sich und sein Kind zu erbalten. Er ließ Tinah eine sorgfältige Erziehung angedeihen. Sie war nicht schön, aber lieb und gut und in dem Viertel, mo sie wohnte, von Allen geehrt. Tvch arm und gebildet wie sie war, fand ihr Vater für sie keinen vassenden Mann und sie wurde 26 Jahre alt und war noch ledig. Da trat ein Ereignis ein, welches eine Wendung ihres Schicksals werden sollte. Ehristine, Schwedens Königin, die Tochter Gustav Adolfs, des Heros des Protestantismus, die nach dem Heldentode ihres Vaters als sechsjähriges Kind den Thron bestieg, legte 1654 zu Gunsten ihres Cousins Karl Gustav die Krone nieder und ging in Brüssel zum Katholizismus über. In Rom, wohin sie sich, begab, begannen ihre vom Papst unterstützten Jntriguen, den Thron Schwedens