Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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281 begonnen. Ursprünglich beabsichtigte Baron Albert v. Rothschild, an der Peripherie der Stadt ein besonderes Fräuenspital, vornehmlich für krebsleidende Kranke zu errichten. — Die böhmischen Juden haben in Prag zum ersten Male eine jüdische Zeitung in czechischer Sprache gegründet. Dieselbe führt den Titel: Cesko-zidovskie Lisch. Die erste Nummer ist am 10. September erschienen. — Am 3. Oktober starb in Brody Herr Marcus Fräukel, der Vater des bekannten Schriftstellers Leo Hcrzberg-Fränkel. — Die Judenexecsse, deren Schauplatz Kolin im April vorigen I. infolge einer Blutbeschuldigung war, hatten zwar durch das energische Einschreiten des Bezirkshauptmannschasts-Koinmissärs bald ein rasches Ende, allein dieselben geheimen Agitatoren, welche die Hetze arrangirten, wollten einen noch teuflischeren Plan ausführen — die Blutbeschuldigung zu verewigen. Auf dem Grabe der ans der Elbe gehobenen Leiche des aller Wahrscheinlichkeit nach durch Selbstmord geendeten Mädchens, das als Objekt der Bluthetze diente, wurde eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht: „Hier ruhet Maria Havlin, gestorben eines martervollen Todes vor den jüdischen Osterfeiertagen. Gott möge es denen vergelten". Ja, Gott mögen es „denen" vergelten, denen, die cs angeht! Die Inschrift wurde von der Behörde beseitigt. — In PaziS starb Herr Dr. Bidal Generalarzt der französischen Armee. Herr Großrabbincr Zadoc Kahn hob in seinem Nachrufe das lebhafte Interesse hervor, welches der Heimgegangene für das Judentum und seine Bestrebungen bekundete. — Herr Dr. Ronbinowitsch wurde zum Chef der Klinik für Geisteskrankheiten an der medizinischen Fakultät zu Paris ernannt. — Am 16. September wurde in Kopenhagen Herr Staatsrat Prof. Dr. Ludwig Brandes unter großer Beteiligung zur letzte Ruhe geleitet. Herr Oberrabbiner Dr. Simousen widmete ihm einen ergreifenden Nachruf. — Das Taubstuminen-Jnstitut zu Groningen erhielt eine beträchtliche Spende. . Herr I. Oppenheim hinterließ testamentarisch den Betrag von 400 000 fl. Das Institut hat auch eine Abteilung für jüdische Pfleglinge. — In Haag wurde Herr T. Tal zum Rabbiner gewählt, geb. 1847. — In Christinnia (Norwegen) bestehen zwei jüdische Gemeinden mit verschiedenen Namen. Mosaische Glaubensgemeinde nennt sich die eine, die andere Israelitische Gemeinde. — In Sofia wurde am 11. September ein Rabbinerseminar eröffnet. Tie Eröffnungsrede hielt Herr Großrabbiner Tr. Grünwald, der auch zur Feier des Tages eine practische Einleitung in die Mischnah in spagniolischer Sprache veröffentlichte. — Man berichtet: Prof. Sacharji», der Leibarzt des verstvrb. Czaren, ist vor einigen vierzig Fahren als armer Jndenjunge an einem kalten Wintergbend barfuß und hungernd von einem reichen Moskauer Kaufmann gefunden und erzogen rvordcn und nahm die Taufe an. Die außerordentlichen Fähigkeiten und der eiserne Fleiß haben den Findling hoch emporgehoben und ihn zu der glänzenden Karriere gebracht. — In Rew-Aork haben jüdische Damen einen Arbeiterinnen Klub für junge jüdische Arbeiterinnen ge-