Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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*270 (i, M. feilt neues Vereinslokal bezog, eine bemerkenswerte Rede. Er sagte über den Antisemitismus: Wir wollen nichts zu thun haben mit einer Bewegung, die dem Gegner gegenüber nur Lungenkraft, aber keine Gedanken ins Feld führt. Selbst das Richtige, was von solcher Seite ausgesprochen werden mag, verliert seine Kraft durch die Hintansetzung der Grundbedingung alles parlamentarischen Lebens : der Achtung vor dem Gegner. — In Bremerhafen starb der cm. Rabbiner, aus Loeban, Herr Hirsch Caro. Er wurde auf seinen Wunsch in Hamburg begraben. — Man schreibt uns: Der in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Lehrer, Herr K. Marx seinen 70. Geburtstag. September in Alsheim (Rheinhessen), feierte am 27. - Am 6. Oktober starb in Berlin derhochgeschätzte Botaniker Herr Geh. Regierungsrat Professor Dr. Nathanael Pringsheim. Bei seinem Leichenbegängnisse am 9. Oktober wurden von Herrn Rabbiner Tri Maybaum dessen Verdienste in ergreifender Weise geschildert. — Man berichtet: Eine tolerante Stadt ist Charlottenburg. Es giebt dort nämlich weder einen besonderen katholischen, »och einen jüdischen Kirchhof, vielmehr ruhen die Toten aller Glaubensbekenntnisse friedlich aus demselben Friedhof im Westend. — In Halle hat sich eine orthodoxe Zweiggemeinde mit separatem Gottesdienst gebildet. — Herr Tr. Karl Bernstein, außerordentlicher Professor des römischen Rechts an der Universität in Berlin, der krankheitshalber schon seit etwa zwei Jahren seine Vorlesungen einMen mußte, ist im 53. Lebensjahre gestorben. Er stammte aus Odessa. — Aus Hannover kommt die Kunde, daß Herr Kommerzienrat A. Molling nach längeren^ Leiden verschieden ist. Der vortreffliche Mann hat fast ein Menschenalter hindurch an der Verwaltung der Gemeinde und ihrer Wohlthätigkeits-Jnstitute thätigsten Anteil genommen. — Das Kuratorium der Marks-Haindors'schen Stiftung in Münster hat für das Rektorat des Lehrerseminars Herrn Dr. Gutmann, bisher Lehrer an dem Reichenheiin'schen Waisenhaus zu Berlin, gewählt. — Am 12. Oktober starb in Berlin der langjährige Arzt des Unterftichungs-Gcsängnisses, Geheimer Sanitätsrat Dr. Leopold Lewin, in Berlin am 16. Oktober 1820 geboren. Am 2. Juni 1878, als Nobiling sein Attentat gegen Kaiser Wilhelm I. ausgesührt hatte, sprang Dr. Lewin, welcher sich zufällig in der Nähe des Thatortes befand, schnell entschlossen in den kaiserlichen Wagen und leistete dem Monarchen die erste Hilfe. Er war Jahre lang Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums und der Reformgemeinde und interessirte sich für alle jüdischen Angelegenheiten. Der Prediger der Reformgcmeinde Herr Dr. Lewin widniete ihm eine tiefergreisende Trauerrede. — Ein außergewöhnlich hohes Alter hat der in Mrotschen lebende Herr Salomon Lrwin erreicht. Derselbe ist schon 110 Jahre alt und erfreut sich noch einer ziemlich guten Gesundheit. — In Wien ist ein Litteraturverein „Mendelssohn" gegründet worden. — Eine unerwartet^ Wendung hat die Rezeptionsfrage in Ungarn genommen. Während die vereinigten Ausschüsse das Magnatenhauses den Gesetzentwurf, be-