Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 stellen die besonderen Charaktereigenschaften des jüdischen Stammes symbolisch dar, nämlich die Mäßigkeit, „Armuth und Reichtum gieb mir nicht, laß mich verzehren mein tägliches Brvd": die Fähigkeit, „du weitest meine Schritte unter mir, daß meine Knöchel nicht gleiten"; die Arbeit, „am Morgen säe deine Saat aus und am Abend laß deine Hand nicht ruhen". Ter Mäßigkeit zur Seite stehen liebliche Gestalten, welche die Borzüge des Faniilienslebcns, die Wohlthätigkeit und die Baterlandsliebe symbolisiren, während um die Arbeit und Zähigkeit sich schaaren: der Handel, die Industrie, die schönen jtünste, die Medizi», die Mathematik und die Astronomie. Im Vordergründe des Gemäldes steht die eigentlich prophetische Erscheinung, ein schönes, junges Weib in rothcm Sammetkleid mit einem breiten Gürtel: die Tochter Israels, charakterisirt durch die Verheißung des Propheten: „Und cs wird bekannt unter den Völkern ihr Geschlecht und in Mitten der Nationen ihre Sprößlinge, und Alle, die sie sehen, werden erkennen, daß sie ein Geschlecht sind, gesegnet von Gott!" Von zwei Engeln mit den zehn Geboten gefolgt, schreitet sie, die Tochter Israels, indem sie durch wilde Thiere und Schlangen sich Bahn bricht und das Gift, das vor ihr auf dem Wege liegt, vernichtet, ihrem Ziele, dem Fortschritt und dem Frieden, mutig entgegen. Eng an den Fortschritt und den Frieden schließen sich Gestalten, welche die Wahrheit die Gerechtigkeit und die Brüderlichkeit darstellen, denn „Liebe und Wahrheit, werden sich begegnen, Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen". Dank der Vervielfältigung dieses Gemäldes in Lichtdruck, die erschienen, werden Kunstliebhaber in die Lage versetzt, sich dieses schön ansgestattete Bild leicht verschaffen zu können. Hleferale und Mitteilungen. Im Selbstverläge des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens ist erschienen: 8eder Tefilah. Israelitisches Gebetbuch. Im Aufträge des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens bearbeitet von Tr. Bogclstein Rabbiner in Stettin. Erster Teil. Gebete für Wochentage, Sabbath und die drei Feste. Zu den schönsten Vereinigungen, die in den letzten Jahrzehnten innerhalb der jüdischen Geineinden iu Deutschland zu Tage getreten sind, zählt unstreitig der Verband der Synagogen-Gemeinden Westfalens. Es weht in demselben ein Geist, der uns klar und deutlich zeigt wie lebendig das Streben nach einer Reform des Gottesdienstes bei einem großen Teile unserer Glaubensgenossen vorhanden ist und wie die Saat, die unsere edlen und erlesenen Geister ausgestreut nicht auf steinigen Boden gefallen. Möge die Orthodoxie, die sich den Anforderungen der Zeit verschließt, die ihre Hohlheit, Halbheit und Haltlosigkeit nur schlecht verdeckt, immerhin glauben