Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1894)
- Date
- 1894-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969961-2969971--4254-2977357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
202 Minäer („Welammalschinim") — war neben R. Elieser b. Hirkan i» richtiger Schätzung der Übermacht der Römer ein Feind des Aufstandes gewesen, und selbst, da man Anfang« einen Sieg errungen, traute er dem augenblikklichen Erfolge nicht sehr, er sah vielmehr die jetzt besiegten Römer, verstärkt durch das aus Britannien herbeigerufene Heer unter Severus, als Sieger über die Juden hervorgehen. Daher dämpfte er mit seinem biblischen Spruche das Freude- und Wonnegefühl, welches über deit anfänglichen Erfolg die Gemüter Aller erfüllte, (vgl. Weiß, I., H., a. a. O. 2, 129). — 20a. „Elischa, der Sohn Abujas sagt: Wer in seiner Kiüdhejt lernt, — womit ist er vergleichbar? einer Tinte auf frischem Papier geschrieben', wer aber erst im Alter lernt, — womit ist er vergleichbar? einer Tinte, auf Papier geschrieben, von welcher die Schrift abgewischt ist". — Tie Anerkennung und allgemeine Hochschätzung R. Akibas und seines Lehrsystems ist wohl der Wurm gewesen, welcher am Herzen Elischa's nagte und ihn dem Judentum entfremdete (s. oben 4, 3). Hielt er sich doch für weit bedeutender und seine Methode für weit richtiger als diejenige des R. Akiba; Hatte er sich doch schon frühzeitig dem Gesetzesstudium gewidmet (jer. Chag. 2, 1) und es da zur Berühmtheit gebracht, so daß er dauernd der Lehrer des nachmals berühmten S. Meir blieb! während R. Akiba erst in einem Alter von 40 Jahren an das Studium gegangen war (Abot d. R. N. 6). — Und diesen Gegensatz scheint diesen sein Ausspruch zum Ausdruck zu bringen, indem er seine eigene Gelehrsamkeit einer auf frischem Papier geschriebenen Tinte, diejenige seines Gegners R. Akiba aber einer auf abgelöschtem Papier geschriebenen Tinte vergleicht. - (Fortsetzung folgt.) Die ethische Tendenz der mosaischen Schöpfungsgeschichte verglichen mit der attgriechischen Kosmogonie! von Dr. Rosenberg, Oberrabbiner in Arad. Die ethische Tendenz leuchtet uns aus der biblischen Darstellung der Westschöpfung am klarsten dort entgegen, wo sie von der Erschaffung jenes gottbegnadeten Wesens erzählt, das zum Träger und Bethätiger des religiösmoralischen Lebens auf Erden berufen ward. Der Mensch nämlich wird nicht, gleich den übrigen Thier- und Pflanzengeschöpfcn, durch die Allmacht des göttlichen Wortes: „Es werde" ins Dasein gerufen, sondern der liebevolle Schöpfer formt