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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-09-01 · Heft 9 (1.9.1894) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 9 (1.9.1894)
Date
1894-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 während der letzten vierzig oder fünfzig Jahren bedeutende Fortschritte gemacht haben. Seit 1858 sitzen Juden tut Unterhause des englischen Parlaments, und Lord Rothschild ist seit 1885 Mitglied des Oberhauses im selben Parlamente. Baron de Worms war Cabinet-Ministet im letzten conservativen Gouvernement; Sir George Jessel bekleidete den bedeutenden Posten eines „Llaster ok Uw Rolls“, und Sir Henry Jsaac, verwaltete das wichtige Ehrenamt eines Lord Major von London. Mit solchen und ähnlichen Aemtern und Würden ist eine hohe soziale Stellung selbstverständlich eng verblenden, und man hörte daher die Nachricht mit weniger Stannen, als es vor einem halben Jahrhundert der Fall gewesen wäre, daß nämlich im Jahre 1890 die Königin von England den Baron Ferdinand de Rothschild mit ihrem Besuche auf seinem Landsitze Waddesdon beehrt hat. I Auf religiösem Gebiete sind ebenfalls während der besagten Zeitepoche innerhalb der jüdischen Gemeinden in England verschiedene Fortschritte gemacht worden, die einen erfreulichen Contrast zwischen einst und jetzt bilden. Vor ungefähr einem halben Jahrhundert wurde fast in allen Synagogen in England der jüdische Gottesdienst nach streng polnischem Ritus abgehalten, der bekanntlich mit Auswüchsen behaftet ist, die dem modernen Zeitgeist widerstreben. So wurden z. B. damals die „Mitzwos" noch in der Synagoge während des Gottesdienstes öffentlich versteigert; cbeirso cirkulierte die Tabaksdose daselbst lustig umher und der „Haman-Klopfer" spielte eine wichtige Rolle im Gotteshause am Pnrimfeste. Solche und ähnliche Unarten im Gotteshause existierten zu jener Zeit im Gotteshansc noch ungerügt fort, da namentlich das lebendige Wort des modernen Predigers noch verstummt war, welches solche Mißbräuche hätte nach Gebühr geißeln können. Doch traten während der Verwaltung des Oberrabbinats in England.durch den seligen Dr. N. M. Adler nach und nach verschiedene Aenderungcn zum Bessern im Gottesdienste ein, wozu auch die Formation der sogenannten „United Synagogue“ in London nicht wenig beigetragen haben dürfte. Einen gemäßigten reformatovischen Einfluß scheint auch die Eröffnung einiger Reform-Synagogen in England auf die Gesamtgemeinden ansgeübt zu haben, und daher kommt es auch, oaß in den meisten Synagogen in London, und in den Provinzialstädten in neuester Zeit die Predigt und der Choralgesang wichtige Bestandteile des Gottesdienstes bilden. Augenblicklich fungieren in London und in den Provinzen mehrere jüdische Geistliche, die Männer von Bildung und Ansehen sind, worunter namentlich Dr. Adler, Dr. Gaster, Professor Marks und M. Singer, besonders hervorzuheben sind. Andere bekannte jüdische Geistliche von Ruf, die in England während der in Rede stehenden Zeitperiode gelebt und gewirkt haben; sind: Rev. W Jsaaes, der zuerst in Manchester in englischer Sprache predigte, Tr. Gottheit (jetzt in Ncw-Iork>, und Dr. Artom, weiland

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