Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 168 „Aber, liebe Gitele! Gott sei mit Dir! Glaubst Du, daß drüben kein „guter Ort" vorhanden ist? Mein Sohn „sott leben" schreibt mir, daß der „gute Ort" in London ohne Ajin Ijora1) dreimal so groß ist als unsere Stadt." „Was weiß ich? Mir dcncht, daß der Platz, auf dem unsere Schul steht, die Pforte des Himmels ist und, daß von hier unsere Gebete direkt in den Himmel vor Gottes Thron steigen." „Gebenschte-) Jahre sollst Du erleben, liebe Gitele, aber weißt Du, Du machst Dir wirklich unnütze Sorgen. Mein, Sohn schreibt, daß Juden auf der ganzen Welt wohnen, und kannst Du es Dir denken, daß deren Gebete nicht in den Himmel steigen?" , „Was weiß ich — versetzte Gitele, mistomech hast Dn Recht. Doch sage mir, liebe Malkele, ist cs wirklich wahr, daß mau, um nach Amerika zu kommen, auf einem Schiff über den Jamm fahren muß? Du bist doch eine kluge Frau und weißt Alles." — „Ja — wenigstens mein Alters) behauptet cs." „Und wie glaubst Du, ist so eine Reise mit Gefahren verbunden? Dein Alter hält doch die Fähre in Pacht und so mußt Du doch wisse», ob schon Jemand einmal in den Wellen sein Grab gesunden hat." „Sv ein Fall hat sich bei uns — erwiderte Malkele — Gottlob noch nie ereignet. Vor Kurzem nur ertranken zwei Indenaber an jenem Tage wüthete auch ein überaus heftiger Sturm, Ach die Unglücklichen!" „Aber das Wasser des Jamms") — versetzte Gitele — ist doch reißender als das unseres Sees, so ist doch die Gefahr des Ertrinkens um so wahrscheinlicher." Weißt Du liebe Markele, warum das mich so sehr interessiert? Ich möchte nämlich wissen, ob diejenigen, welche durch Ertrinken ihren Tod finden „Chibut hakewcrO)" erleiden müssen oder nicht. Denn Du kannst Dir kaum eine Vorstellung niachen, >vie sehr cs mir graut, meint ich an „Ehibut Hakewer" denke'" lDchlus; folgt.) ’) Unvcrrufcii. ©i’H'rtitote. 3> Wahrscheinlich. 4) Mann. :,i Meere-. 6) Grabesleiden, denen nach kabbalistischer Ansicht auch der Frömmste auegeseht ist. Inhalt: Gegen den Rückschritt in Deutschland. — Spinoza — Jude? von Dr.. M. Gr. . . . d. — Die Stellung der Frau bei den Jude». Bortrag gehalten vor dem Jüdische» .üongrest in Ehigago, von Dr. Max Landsberg (übersetzt von Tr. F. Michel.) — Eine Humoreske von Albert Untz. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner l>r. Adols Brüll: in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth: Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner'S Druckerei (F. W. Breidenstciu >, sämtlich in Frankfurt am Main.