Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Meferate und WiLteikungen. Die zwei letzten uns zugegangenen Lieferungen des äußerst lehrreichen Werkes „die jüdische Littcratnr seit Abschluß des Kanons von I. Winter und August Wünsche" (Trier Sigmund Mayer) behandeln die jüdische Mystik und Kabbala von Dr. Philipp Bloch. Der gelehrte Verfasser entwirft ein klares Bild der kabbalistischen Littcratnr von ihren Anfängen bis in die Gegenwart auf Grund der vorhandenen Werke die über Kabbala handeln und belebt dasselbe durch ausz>«gliche Uebersetzungen. Besonders hervorzuheben von letzteren ist „die heilwirkende Kraft des Amen" S. 231 und eine Stelle aus dem Sohar „Lob des R. Simon den Jochai" die wir hier folgen lassen: R. Chija warf sich langhin auf die Erde, küßte den Staub und weinte und sprach: Staub! Staub! wie bist du von hartem Nacken wie bis du so rücksichtslos, denn alle Lust der Angen schlingst du ein, alle Lichtsänlen der Welt verzehrst und zerreibst du! Wie kennst du keine Nücksicht! das heilige Licht, welches die Welt erleuchtet hat, einen mächtigen hochstehenden Herrscher, dessen Verdienst die Welt erhält, hast du in dir cingeschlungen. N. Simeon Glanz des Lichtes, Glanz für die Welt, du bist vom Staub verschlungen und leitest immer noch die Welt. Er hielt einen Augenblick an und sprach: Staub! Staub! überhebe dich nicht, denn die Säulen der Welt werden nicht an dich ailsgeliefert, ein R. Simeon wird von dir nicht verschlungen. Der Chassidismus in Polen, der Ausläufer der kabbalistischen Bewegung tvird in Tr. Blvchs Darstellung nur gestreift und verdient allerdings eine besondere Behandlung. Hieran schließt sich eine Abhandlung: Geschichte, Geographie und Reiselitteratur von Dr. Adolf Lewin, iu welcher der Nachweis geführt ivird, daß die Geschichtsschreibung unter den Juden immer gepflegt und daß dieselbe eigentlich nie unterbrochen wurde. Es iverden dann die verschiedenen Geschichtsbücher angeführt und interessante Auszüge in deutscher Uebersetzung mitgeteilt, die ein Bild geben von der regen Teilnahme, die die Juden stets ihrer Geschichte gewidmet haben. — In der I. C. Hiurich'schen Buchhandlung (Leipzig 1894 Preis Mk. 2.50) ist erschienen: Einleitung in den Talmud von D. Hermann Strack Prof, der Theol. an der Universität Berlin. Zweite teilweise neubearbeitete Auflage. In einer Zeit in der von rasscnantisciemitischer Seite immer noch das Gerede geht, der Talmud sei ein Buch mit abscheulichen Geheimgesetzen ist kein Werk geeigneter die Unwahrheit solcher Beliauptunge» zu erweisen als vorliegendes von dem durch seine Gelehrsamkeit und Sbjeetivitaet rühmlichst bekannten Herrn Prof. Strack. Die streng Orthodoxen tonnen daraus lernen, daß der Talmud keineswegs ohne weiteres verpflichtend ist, daß Haggada und Halacha, daß Discussion und Ergebnis geschieden waren. Zu wünschen wäre freilich, daß dieses auch für Laien znm großen Teile lesbare Buch eine ihm gebührende ordentliche Verbreitung finde, dann würden thorichte Discussiouen in den Parlamenten nicht mehr gewöhnlich sein. Das Buch ist zudem durch