Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hi i e f zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. (Dt$an des MettdelssobilMercins in Frankfurt a. M. Begründet und heransgegeben von Rabbiner I)r. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6.— per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen unb Postanstalten des In und Auslandes. 14. Jahrgänge Frankfurt a. M-, den l. Juni 131)4. Dummer 6. Spinoza — Jude? von Dr. phil. M. Gr.ld in Breslau. ■ Unter welcher Marke auch immer Spinoza in den Urteilen der Mit- Und! Nachwelt erscheinen mag, ob er als „nnheimlicher Lohn des Leibhaftigen" den! frommen Eifer zu erheblicher Bereicherung des thevlochschen Schimpfwvrterschatzes j angeregt hat, ob er als Messias begrüßt nud heilig gesprochen worden ist, beides, j Verdammung wie Verhimmelung, einigt sich in dem Urteile: „Er ist Jude" Mochten j sich die privilegirten Seligkeitspachter vor seinem Athcis- «oder Fatal-, Fanal-, ' Natural-, Materialis-) muS entsetzen, mochte man ihn als Pantheisten oder als! Theisten bewundern, seine Jrrtümer wie seine Vorzüge leiteten sich im letzten; Grunde aus seiner Stammeszugehörigkeit und ans den Eindrücken seiner Kindj heit her. Natürlich ändert sich der Ton dieses Urteils je nach dem Sinne, welchen jbte nach Zeit und Land, in ihrem philosophischen oder kirchlichen Bekenntnisse; unter sich verschiedenen Urteilenden damit verbinden.! 1. Geschichte der Frage.! Spinozas kühne Gedanken schlugen blitzartig in das geistige und geistliche Leben seiner Zeit ein, und trugen wesentlich dazu bei, zwei der tiefgreifendsten Gegensätze, die bis dahin — Dank der Polizeikunst der Kirche - in wider-" natürlichem Frieden verborgen geblieben waren, offen darzulcgen, sie aufs Schärfste gegen einander zuzuspitzen und durch ihr völliges Anseinanderreißen in Kirchliches und Weltliches die neue Zeit heraufzuführen. Das Jahrhundert des thevlogisch-! politischen Traktates trägt noch einen vorwiegend theologischen Charakter. Die