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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-04-01 · Heft 4 (1.4.1894) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 4 (1.4.1894)
Date
1894-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 des letzten Herodäers gefallen und in den Staub gerollt war, schienen die an diese Prophezeiung geknüpften Hoffnungen auf die nahe Ankunft des Messias erschüttert und in den vielen jener Zeit eigentümlichen, religiösen Disputationen war eine gewichtige Waffe in den Händen von Christen und Moslems das immer wiederholte Argunient: Das Szepter ist von euch gewichen, folglich auch die Gnade Gottes. Chasdai benutzte seine weitreichenden Verbindungen, um dem jüdischen Fürsten am Kaspiser, von dem ihn die ganze Länge des Erdteils trennte, den Brndergruß zu senden. Nachdem ein erster Versuch fehlgeschlagen, gedachte er ein Schreiben an den Chasarenkönig nach Jerusalem zu senden, von wo es durch Juden nach Nisibis in Armenien und von da nach Kosar gebracht werden sollte, als glücklicherweise eine slavonische Gesandtschaft in Kordova ankam, in der sich zwei Juden befanden. Diese übernahmen es, Chasdai's Brief nach ihrer Heimat zu befördern. Der'König von Slavonien werde ihn aus Rücksicht auf Chasdai. nach Ungarn senden, von wo er nach Rußland, Bulgarien und endlich in» Chasarenland gelange werde. Ein Deutscher, Jakob Eleasar, war es, durch den dies uns noch erhaltene Schreiben in die Hand des Zaren Joseph gelangte. Die Antwort des Zaren, eine der bedeutsamsten Quellen zur Sittengeschichte dieses merkwürdigen Volkes, dessen Bedeutung auch für die Allgemeingeschichte eine hervorragende ist, besitzen wir ebenfalls noch. Schon in der Zeit der Völkerwanderung treten die Chafaren als erbitterte Feinde der Hunnen auf, später erscheinen sie als ein kriegerischer Stamm, dem gegenüber das Perserreich sich kaum durch Schutz mauern und Erdwälle behaupten konnte. Sie treten in nahe Beziehungen zum oströmischen Kaiserreich, Töchter ihres Königshauses besteigen den byzantinischen Kaiserthron. Eine ihrer Hauptstädte war Jtil, das heutige Astrachan. Hier trafen von fünf verschiedenen Seiten die Handelsstraßen zusammen. Die Kultur war eine mehr oberflächliche. Lehmhäuser hatten nur die Reichen und nur der Zar residierte in Palästen, die aus Ziegeln gemauert waren. An der Spitze des Gesamtreichs, das in den Tagen seiner höchsten Machtentfaltung im siebten Jahrhundert den größten Teil des heutigen Südrußland umfaßte, stand der Chagan oder Zar, der im Laufe der Zeit immer mehr dem Unterkönig, dem Peg, die Leitung der Kriege überließ, während er als geistliches Oberhaupt hoch über ihm stand und fast abgöttisch verehrt wurde. Sie standen zu einander wie Mikado und Sigun vor einigen Jahren in Japan. In diesem gewaltigen Staate wohnten nun noch im bunten Gemisch Juden und Mohamedaner, Christen und Heiden, alle von den Herrschern, deren seit dem Jahr 730 stets nur jüdische den Thron innegehabt hatten und innehaben durften, völlig gleichmäßig milde behandelt. Das höchste Landesgericht bestand aus je zwei Juden, Christen und Mohamedancru und einem Heiden, aus insgesamt sieben Richtern und sprach jedem Recht nach seinem eigenen Gesetzbuche, ein leuchtendes Muster von jüdischer Toleranz. Wie das Judentum zu diesem wilden Volke gelangt ist, darüber gibt uns die beglaubigte

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