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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-02-01 · Heft 2 (1.2.1894) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 2 (1.2.1894)
Date
1894-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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2(> — Kirchen und 2Ö verschwenderisch reich ansgcstattete mit Gvld und Silber verzierte Synagogefi bestehen, war die Leitung der jüdischen Gemeindeangelegenheiten völlig unabhängig von den arabischen Machthabern und selbst die Kriminal- und Ziviljustiz lag fjaft ganz in den Händen des jüdische» Oberhirten und seiner Beamten. Mit fürstlichem Glanz umgeben thronte gleich dem Khalifen in einsamer Abgeschiedenheit von seinem Volle der vom Staat anerkannte und bestätigte „edle Herr aus Davids Stamm", wie die Mohamedaner einander zuriesen, wenn sie bei dem Herannahcn seiner vergoldeten Wagen ehrfurchtsvoll auswichen. *) Eine natürliche Folge jener milden von der blutigen Verfolgungspolitik der Christen weit entfernten i Behandlung war die rege eifrige Beteiligung der Juden an den geistigen Schöpfungen ihrer arabischen Stümmcsverwandten und aus der Vermählung des durch griechisch-römische Bildungselemente vertieften und vielseitig angeregten arabischen mit dem jüdischen Geiste ging jenes glanzvolle Zeitalter jüdischer Poesie^ und Wissenschaft hervor, das nur in der biblischen Zeit, in der ersten goldenen Periode jüdischer Dichtung seines Gleichen haben sollte. So zahlte der Araber mit Zinsen die Gcistesschnld zurück, die er seit Jsmaels Sohn mit Isaaks Nachkommen in Berührung gekommen, bei ihnen ausgenommen: die arabische Kultur, auf deren Boden jene duftenden Blumen jüdischer Poesie erwuchsen, wirkte auf die jüdische noch anregender,-'als diese zu Mohameds Zeiten auf die Araber. War der Jude indes in Rcligionsübnng und Gemeindeverwaltung selbstständig, konnte er sogar, mitkonknrrieren, wo es galt, eine hohe, ja die höchsten Stufen in der Bcamtenhicrarchie zu erklimmen und wurden nicht selten Juden wie Christen ganz besonders bei Posten bevorzugt, die eine außergewöhnliche, in den ersten Zeiten - des Khalifats bei Arabern selten zu findende staats-- männische oder sonstige Bildung erforderten, wurde, >vas bekanntlich öfter vorkam, ein Jude Leibarzt oder gar Premierminister (Wesir,) Finanzminister des Khalifen,! so wurde trotz aller Rücksicht auf die Stammcsverwandtschaft, deren sich der Arabier schon früh bewußt war, in solchen Fällen häufig genug der Brotneid des MohainedancrS, sein Haß gegen den Ungläubigen hervorgerufen, noch verschärft durch den dem Araber eignen Stolz aus seinen Stamm, der ihn auf alle andern jmit Verachtung herabblicken ließ. Einen interessanten Einblick in solche Gefühle des Volkes gewährt ein Gedicht eines egyptischen Dichters, der es erleben Mußte, das; die damals dort herrschenden Obaiditen einen jüdischen Wesir hatten«. Das Gedicht lautet: Die Juden unserer Zeit erreichten düs Ziel ihrer Sehnsucht und kamen zur Herrschaft, ihrer ist das Ansehen, ihrer ist das Geld. *) Ausführliches in meinen „Häupter der Vertriebenen", Beiträge zu einer Geschichte der Efilsfürste». Verlag von I. ,Nauss»ia»ii, ,Frankfurt a. M. (auch als 10. Jahrgang der Brüll'scheß Jahrbücher erschienen.)

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