Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969961-2969963--4067-2977162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
besiegt werden muhte. war die Abfassung eines gute» Lehrbuches, welches gleichzeitig eine umfassende Litteratnrgeschichte einbczieht, denn die Geschichte der Juden ist seit der Zerstörung des Tempels eine mit dem jeweiligen Schrifttum innig verwachsene Cultnrgeschichte. Die Jude» waren zu allen Zeiten das Bolk der Schrift, besonders aber seit. der Zeit des Verlustes der Selbständigkeit und der gemeinschaftlichen Heimat, seit der Zeit, da kein anderes Band die einzelnen in alle Weltteile zerstreuten Glieder zusammenhielt als die gleiche religiöse Lehre, die. weil sie den wesentlichen Inhalt und den wesentlichen Zweck des Lebens bildete, auch den Hauptanteil an der Gestaltung des Lebens nahm. Darum gieng das Schrifttum nicht nebenher, es blieb nicht theoretische Wissenschaft oder schöngeistige Kurzweil, es verlangte und fand praktische Anwendung, die Gedichte wurden Gebete, die wissenschaftlichen Abhandlungen ergaben Gesetze und Norm für's tägliche Leben, die philosophischen Betrachtungen Grundlage der Bibelerklärungen. Anderseits gab wieder das praktische Leben Anregung zum Ausbau der religiösen Lehre und die Darstellung des WechsellvirkenS von Leben und Lehre bildet Inhalt der Geschichte der Juden. Sie wird ihren eigentlichen Zweck beim Religionsunterricht nur dann erreichen, wenn sie das Herz des Schülers erwärmt, lind Begeisterung für eben diese Lehre rmd ihre Träger hervorrust und zur Bethätigung des jüdischen Lebens aneisert, denn nicht eine Schar von passiven Märtyrern, sondern eine Genossenschaft von Helden soll erzogen werden, die erfüllt sind von religiösen Gefühlen und religiöser Gesinnung. Darum kann uns ein Lehrbuch, welches nichts weiter ist, als ein Herbarium trockener Namen, Zahlen und Büchertitel wenig nützen, cs muß in demselben klar dargestellt werden, wie der große Mann aus seiner Zeit herauswuchs uno aus seine Zeit einmirkte, es muß lehren, worin die Bedeutung eines Mannes lag und was seine. Größe ausmacht. Es genügt nicht, wenn in einem Lehrbuch aller Zeitereignisse Erwähnung geschieht, vielmehr muß gezeigt werden, wie jene Zeitereignisse im Zusammenhang von Ursache und Wirkung stehen und nie etwas Anderes waren als der Kampf menschlicher, wüster Leidenschaften gegen reinen Gottesglauben, religiöse Wahrheit, Idealismus und Bcrvollkommnung des Menschengeschlechtes. Das Lehrbuch der jüdischen Geschichte soll zeigen, wie sich endlich die hochgesinnten und edlen Menschen aller Confessionen und Völker finden und begreifen, und daß trotz aller Anfeindungen, Verfolgungen und Bedrückungen Juden und Judentum stets Beschützer beim besseren Teil der Andersgläubigen fand. Ich wüßte nicht bald' ein anderes Lehrbuch für Dberklassen an Mittelschulen, welches den gestellten Anforderungen in so vollkomnrenem Maße gerecht wird, als das von Dr. S. Bäck. Die zweite Auflage, die nun vorliegt, ist ein Beweis, daß dieses Lehrbuch die wohlverdiente Verbreitung gefunden hat. Tie vorgenommenen Verbesserungen bestehen in einigen Ergänzungen, wie z. B. Erwähnung des Purimfestes S. 18, weitere Ansfiihrungen über das Channkkahfest S. ü8, weitere Erwähnung, daß die