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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 16

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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orthodoxer Seite diese Bezeichnung thatsächlich angewandt. Charlotte v. Schiller schreibt an ihren Sohn Ernst, der im Jahre 1817 und im Jahre 1820 die Absicht hatte, sich mit einer Jüdin zu vermählen am l. Juli 1818. „Eine Frau, die ihrem Glauben entsagen kann, wenn ein Christ sich sindet, möchte in jeder Religion schlechte Fortschritte machen. Wenn sie nicht mit Ueberzeugung der Religion angehört, die sie ergreift, so ist ihr Herz nicht gemacht, die Menschen, die sie sich zur Pflicht auflegt, zu lieben, glücklich zu machen. Nur die innere Ueberzeugung, die der Glauben an das Höhere gibt, ist mit dem Glück des Lebens unzertrennlich. Und dieser kommt nicht von außen. Was kein Ohr vernahm — Was kein Auge sah. Es ist dennoch das Gute, das Wahre, dieses Gefühl für Wahres und Großes ziemt sich zu ehren. (Publication von Carl Schmidt über Schillers Sohn Ernst, Paderborn 1893). — In Regensburg werden, wie berichtet wird,! Juden, die in Mischehen leben, nicht znr Thora aufgerufen. Also könnte auch in Regensbnrg, Mose, wenn er ans dem Grabe erstünde, nicht zu seiner Thora aufgerufen werden. — In der orthodoxen Gemeinde — Adaß Jisroel — in Königsberg, welche vor mehreren Wochen die Einweihung ihres neuerbauten Gotteshauses feierte, hat der neugewühlte Rabbiner Herr Tr. E. Munk sein Amt als Rabbincr angetreten. — „Lessings Werke" gesammelt in 0 Bänden. Neu durchgesehen von Fr. Mnnkcr. Mit Einleitungen von Karl Gödeke. Stuttgart, G. I. Göschen'sche Berlagshandlung. Die Verlagshandlung erwirbt sich mit dieser, auf Grund der Lachmann'schen Forschungen hcrgestellten, mit minutiösester Sorgfalt den echten Wortlaut des Dichters reproduzierenden, solid ausgestatteteten und billigen Ausgabe der Werke des großen Streiters für Wahrheit, Freiheit und Größe deutscher Kunst ein namhaftes Verdienst um das Geistesleben unseres Volkes. Diese schöne, um weniges Geld käufliche, trefflich gebundene Ausgabe ist ein nachdrücklicher, hoffentlich allseitig beachteter Appell an das deutsche Publikum, „unserem Lessing" endlich in jedem Hause seinen Platz einznräumen. Gerade in unseren Tagen ist es ein Trost für den Menschenfreund, sich in Lessing's Ideen zu vertiefen, die schon vor anderthalb Jahrhunderten jedes Vorurteil gegen Juden und Jitdentum auf's schärfste bekäinpften. - Der bekannte Antrag Hainmerstein- Mantenffel auf Ausschluß der fremden Juden hat die Form einer Resolution, durch die die Regierung ersucht werden soll, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, nae!> welchem Israeliten, dienichtReichsangehörigesind, die Eimvanderung über die Grenzen des Reichs untersagt wird.—Am l .Nov. wurde in Wien zum ersten Male der Fahnenschwur der Wehrpflichtigen aller Religionen unter großer Feierlichkeit vollzogen. Unter Psalmengesängen zogen die jüdischen Soldaten in den Tempel. Der Prediger Herr Dr. Jonathan Wolf betonte in seiner Rede, „daß der Waffendienst für den Monarchen und das Vaterland ein Ehrendienst sei. Der Waffendienst ist als eine religiöse Pflicht anzusehen unserem gütigen Fürsten gegenüber, dem das Heil des Staates-als das oberste Gesetz gilt. Es riihme sich jeder von

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