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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Bon vornherein mit einer gewissen Feiudscligteit gegen jeden Konfessionalismus tritt die ethische Bewegung ans, die, frei von jeder konfessionellen Fessel, emancipiert von jeder Bevorintlndung der Bergangenheit, eine neue Menschheitsreligion anstrebt, die nur Ethik ist und ihre Ethik nicht auf göttlichem Willen, sondern ans sich selber als einzigem Grunde beruhen läßt. Auch diese Bewegung tritt werbend an das Judentum heran. Wie wir uns zu diesen Bewegungen zu verhalten haben? Nun da mag es Manchen geben, der da meint: Ja eine solche allgemeine Menschheitsreligion, das ist mein Ideal, zu dem ich mich freudig bekenne. Wozu auch die engherzige Konfession, die mir die ganze Religion verleidet? Wozu die Konfession, dieser Gistbaum des Haders und der Zwietracht, die Konfession mit ihrem Bekenntniszwang und Formenkram, dieses Grab der Glaubensfreiheit, diese lästige Fessel, dieser Hemmschuh aus allen Wegen? Und wenn's schon eilte Konfession sein muß, tvarum gerade Judentum? Warum nicht die herrschende Konfession? Warum - nicht ivirklich das reine zum Urquell, zur Mutterreligioit zurückkehrendc Egidy'sche Ehristentum? Warum das alte abgeschabte Kleid, in welchem die Hunde auf allen Wegen mich ankläffen, nicht abwerscn? Warum meinen Kindern die Herzcnskränkungen und Lebensbeschwerden nicht ersparen? Muß ich da steheit bleiben, wo meine Väter mich hingestellt und hätte nicht das Rechh der Selbstbestimmung? Bi» ich befragt worden, bevor ich aus Erden erschien, wohin ich gehören wolle? Hat nicht ohne mein Wissen und Wollen, die Gebart, der thörichste aller Zufälle, die neckischste aller Launen, mich an das öde User des Judentums geschleudert? Wer lvill aufstehen und wider mich Klage führen, wenn ich dem Tyrannen Zufall in's Angesicht schlage und mich dahin stelle, wohin ich gewünscht, daß die Geburt mich stellte? Warum Konfession? Warum Judentum? Warum keine allgemeine Menschheitsreliaion? — Warum? Nun, weil es keine allgemeine Menschheitsreligioii gicbt. Denn, was man so Menschheitsreligion nennt, das ist nichts weiter als eine Lumme philosophischer Lehrmeinungen, abstrakter Ideen ohne befruchtende Lebenskraft, ohne Herzcnserquickung, ohne Seelenerhebung. IN ihrem Schatten kann man sich nicht laben, von ihren Früchten sich nicht sättigen, in ihrem Tau die Seele gesund nicht baden. Eine Religion muß in herzergreifenden, zu Ang' und Ohr sprechende» Formen sich ausgeprägt haben, sonst ist sie keine Religion, und eine Religion muß eine Geschichte haben, sonst ist sie keine Religion. Anklopfen muß sie an unsere Thüre und sprechen: „Hier bin ich, deckt meinem Sabbath den Tisch, folgt meinem Festtag in's Gotteshaus"; anklopfen muß sie an unserem Herzen und rufen: „frohlocket, denn ich komme zu euch mit Schätzen beladen, ich bringe euch erinneruisgsreiche Tage, beziehungsiveife Formen. Alle Jahrhunderte der i

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