Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I KoMÄ -mssensclmfiliclih o ttui bluttct zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 12. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Dezember 1892. Kummer 12. Das Werhatten Abrahams gegen Iremde. Rede, am 5. November 1892 (Sabbat Wajera), gehalten von Dr. Ad. Jellinek. Die heute verlesene Parascha zeigt uns den Patriarchey Abraham im! schönsten Lichte, in seinem Verhalten gegen Fremde, die nicht seines Geschlechtes! sind und nicht seinen Gott verehren. Es ist Mittag. Die Sonne sendet ihre glühenden Strahlen zur Erde und der Patriarch schützt sich vor der Sonnenglut in seinem Zelte. Da erblickt er drei Wanderer, von denen nach dem Midrasch der Eine wie ein Araber, der Zweite wie ein Nabatäer, der Dritte wie ein Saracene aussah. Sofort eilt er ihnen entgegen und bittet sie, sich bei ihm zu laben und zu stärken. Dann - eilt er in das Zelt zu seiner Gattin und spricht: Eile, den Teig zu kneten.! Er selbst eilt wieder, ein köstliches Rind auszusuchen und eilends bereitet er es zu. Eilfertig ist sein ganzes Benehmen, damit die Fremden keine Zeit verlieren, und ihre Reise rasch fortsetzen können. Hier bewährt er seine Gastfreundschaft, seine Fürsorge für Fremde, seine Freude, Hungernde zu bewirten, ohne zu fragen, wer sie seien. Dieser menschenfreundliche Geist des Patriarchen i dprchweht die Thora, bewegt den Mund der Propheten und erscheint in der j Geschichte seiner Nachkommen. Die Thora verbietet, den Fremden zu kränken,! auch nur durch ein Wort, ihn zu bedrücken durch eine That. Lieben soll ihn der ' Israelit wie sich selbst und ihm Gutes erweisen. Der Prophet fordert Israel am Versöhnungstage auf, dem Hungrigen sein Brot zu brechen, nicht blos heute zu fasten, sondern auch morgen die Bedürftigen zu speisen. Die Geschichte der Juden erzählt folgendes: Es war am Beginne des vierten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts, da wurden dreitausend Personen aus einem der schönsten Teile Oesterreichs als Ketzer vertrieben. Das geschah nicht unter dem milden Scepter der Habsburger,