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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-09-01 · Heft 9 (1.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HoxMi> -imrsensclmstlicl»! onal§tlHlteß zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Mrgaii des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 12. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. September 1892. Kummer 9. Hin Wundschreiben des Wiener Guttus - Worstandes. Hochgeehrte Herren! Sie werden gewiß mit uns den großen Uebelstand wahrgenomnien haben, daß der religiöse Jndifferentismus im allgemeinen und auch bei unseren Glaubensgenossen in erschreckender Weise fortwährend im Zunehmen begriffen ist. Ganz besonders beklagenswert und dringend der Abhilfe bedürftig erscheint uns an dieser Calamität noch der Umstand, daß dieses Schwinden des religiösen Sinnes in auffälligster Weise und mehr noch als bei den Männern bei den Frauen hervortritt. Muster und Quellen religiösen Gefühles und frommen Sinnes, wie eS die jüdischen Frauen in nicht zu ferner Vergangenheit waren, müssen sie heute in diesen hervorragendsten weiblichen Tugenden von Frauen anderer Bekenntnisse sich oft den .Vorrang ablaufen lassen- Es ist wohl dies zumeist darin begründet, daß wir für die Frauen keinen eigentlichen Cultus haben; für die Dauer ist ein solcher Zustand unstatthaft, denn eine Familie kann eben so wenig wie ein Staat für die Dauer ohne 'Religion gedeihen. Es ist zweifellos, daß der gegenwärtige Religionsunterricht eben so wenig wie die gottesdienstlichen Einrichtungen im Tempel genügen, den religiösen Sinn zu fesseln; es ist dies auch nicht anders möglich; denn bei den großen Anforderungen, welche die realen Wiffenschasten heute an die Jugend stellen, erübrigt für den Religionsunterricht viel zu wenig Zeit, um ihn gründlich erteilen zu können; Predigten finden nur an SamStagen und Feiertagen statt, an denen bei der heutigen entwickelten umfangreichen Geschäftsthätigkeit der Besuch des Tempels unmöglich ist. Ganz besonders bedauerlich ist es. daß gerade die Jugend an Samstagen den Tempel nicht besuchen kann, weil Studenten durch ihre Schule, Commis und Beamte durch ihre Berufspflichten davon abgehalten werden.

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