Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 160 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 Monats sch au. Die Verständigung zwischen Judentum und Christentum als einzig wirk» same Waste gegen den Antisemitismus — bildete de» Inhalt eines im Saale des Kaufmännischen Vereins in Frankfurt a. U. am 14. Mai gehaltenen Vortrages von Herrn Dr. Johannes Müller aus Leipzig. Herrn Dr. Müller, der in Frankfurt zum ersten Male mit seinen Vorschlägen au die Oeffentlichkeit trat, bekennt sich als entschiedener Gegner des Antisemitismus, der nicht nur eine Schmach unseres Jahrhunderts sei, sondern auch eine häßliche epidemische Krankheit, die leider insbesondere auch als geheime Krankheit unser Volksleben zu vergiften drohe- Auch gerade von seinem christlich gläubigen Standpunkt aus müsse er den Antisemitismus auf's entschiedenste bekämpfen, da er der denkbar schärfste Gegensatz des Christentums sei. Juden und Christeu, so sagte der Redner, müssen sich die Hand reichen, sich persönlich und sachlich näher treten, sich gegenseitig verständigen und darauf besinnen, daß Judentum und Christentum Zweige aus einem Stamm seien, beide derselben göttlichen Ofsenbarting entspringend. Unionsbestrebungen und Proselytenmachers liegen ihm fern; |c§ gelte nur, daß religiös Gemeinsame mehr in den Vordergrund und das Tremilende mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Er wies >in seinem mit vielem Beisalle aufgenommenen Vortrage auf die in Frankfurt'fl. M. erscheinenden „Mouatsblätter" hin, welche in diesem Sinne wirken. In seinem am 18. Mai gehaltenen zweiten Vortrage erbrachte Herr Dr- Ioh. Müller durch eine Reihe biblischer und neutestamentlicher Zitate, sowie durch eine Skizze der Entwicklung und Verbreitung der Gottesoffenbarung den Nachweis einer gemeinsamen Grundlage des gläubigen Christentums nud des gläubigen Jiidentnms. Der Vortragende betrachtet die Weiterverbreitung dieser . Erkenntnis als ein Hanptmittel zur Bekämpfung des Antisemitismus. Die andern zwei angesetztc» Vorträge: „Der Gegensatz zwischen Judentum und Christentum" und „der Weg zur Hehung des Gegensatzes zwischen Judentum und Christentum" steten wegen Plötzlich notwendig gewordener Abreise des Herr» Dr. Müller aus. — Die jüdische Resormgemeinde in Kcrlin geht mit dem Gedanken um, im Westen der Stadt ein neues Gotteshaus zu erbaue». Ein erfreuliches Zeichen, von dem Wachstum der Gemeinde. — In Hamburg wurde ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gegründet. — Herr Dr. Stern, Rabbiner in Kiel hat einen Bericht der dortigen Religionsschule ausgegeben mit einer Abhandlung „Aus der Vergangenheit der israelitischen Genzxinde zu Kiel nach den Akten des königl. Staatarchivs zu Schleswig und des Stadtarchivs zu Kiel." Nach derselben ist der „Gründer der Kieler Judenschaft" Jakob Mussaphia, der am 28. Niwember 1674 vom Herzog Christian Albrecht das Schutzprivileg erhalten und um 1693 sich in Kiel niedergelassen. Kiel zählte 1866 nur 6 jüdische Haushaltungen mit 34 Seelen. Herr Dr. Stern will auch die Geschichte der Juden in Kiel seit 1773 schreiben, in welchem Jahre diese Stadt Dfinisch wurde. — In Köln hielt im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur Herr Referendar Dr. Hodenheimrr einen Vortrag über „Jseophus und die Parteieen in Jerusalem zu seiner Zeit." — Dem „Israel. Studirnverrin" in Wannhrkm sind die Körperschafts-Rechte verliehen worden. — Inj ilrilTr fand die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. — Am 3. Januar wurde die neue evangelische Kirche zu Kalmniken in Ostpreußen eingeweiht, | die Stiftung eines Israeliten, des ersten Inhabers der Firma Stantien u. Kecker, welcher Palmniken und einige andere Ortschaften gegehören. Die Wciherede des Generalsup.- Plötz behandelte Matth. 13, 44. —