Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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119 des Feldes, über den wohlerzogenen Mann und erwähnt einige Erinnerungen an die Schweiz. — Herr Gamilla Lyon in Paris ist zum Cabinetsdirektor des neuen Justiz- und Kultusministers ernannt worden- — Herr Leo Lrvy-Zing wurde! zum Schiffslieutenant in der französischen Kriegsflotte ernannt; er ist der einzige Jude, welcher in Frankreich Seeoffizier wurde. — Im neu eröffneten jüdisch-deutschen Theater in Paris erregte ein Drama unter dem Titel „Sulamith" viel Aufsehen. Das Sujet ist deiii Midrasch entnommen, die Handlung ist folgende: Zwei junge Leute schwören sich ewige Liebe, und nehmen als Zeugen des eingegangenen Bundes den vor ihnen stehenden Brunnen und eine zufällig ihnen iu den Weg kommende wilde Katze. Der junge Mann vergißt sein Gelöbnis und heiratet eine Andere. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder. Das Eine füllt in einen Brunnen und ertrinkt, das Andere wird im Schlaf von einer wilden Katze erwürgt. Der junge Mann erinnert sich nach diesem Unglück seines Eides, verstößt seine Frau und kehrt zu seiner ersten Liebe zurück, zu seiner erste» Braut, die ihn »och immer in Treue und Sehnsucht erwartete. Das Stück erzielte einen durchschlagenden Erfolg und wurde mit inniger Empfindung dargestellt. — Der neueste Uebersetzer der Bibel, Conservator und Professor am Louvre in Paris, Ledrain, wurde gelegentlich eines Bankettes durch einen Nichtjuden in einem hebräischen Toast gefeiert- — Am 10. März ist Herr Eotonel Goldsand von London nach Argentinien < Südamerika) abgereist, um die Leitung der dortigen Hirsch'schen Kolonieen zu übernehmen. — Die Zeitschrift „Jewisb Chroniclc“ berichtet über Dr. Adolf Züchter s Werk „Uiiterjuchuiigen zur EnO stehung und Entwicklung der hebr. Accente". Herr Dr. Büchler gegenwärtig noch Hörer am Seminar in Budapest, dessen Arbeit in den Publicationen der kaiserl. Akademie der Wissenschaften ausgenommen wurde, verdiente diese Auszeichnung in vollem Maaß und ist seine Arbeit den meisterhaften Abhandlungen vou Bacr und Wickes anzureihe». Die Ideen und deren Behandlung sind neu und kunstvoll durchgesührt. — Die Märznummer des „Quiver" in London enthält einen interessanten Artikel von Kev. William A. Kurnest unter dem Titel: „Wie die Juden Purim feiern". Nebenbei bewundert Herr Burnell die jüdische Art Almosen zu geben und verweist ans den streng sittlichen Inhalt und den göttlichen Geist, welche das Buch Esther auszeichuen, obschon der Name Gottes i» demselben nicht ein einziges Mal genannt ist. — In London wurde der Grundstein zur Hampstead-Synagoge in feierlicher Weise gelegt. — In Asti starb am 10. Februar Herr Professor Ferrari«!, Oberrabbiner von Asti, der älteste italienische Rabbiner. — In Wloelaniek feierte am 17. Mürz Herr Rabbiner Josef Ehaim Earo sein OOjähriges Rabbiner-Jubiläum und zugleich sein 70jähriges Ehe-Jubiläum. Er ist durch seine homiletischen Werke „Minchat Sabat" und „Kol — omer — Kro" bekannt geworden Einer seiner Söhne Herr Dr. Jakob Garo ist Professor der Geschichte in Breslau, ein anderer Herr Dr. Ircheskrl Earo Rabbiner in Lemberg. — In Gdelfa starb Ifak den Abraham Heim, Rabbiner der Karaeer daselbst. Er wurde in Odessa 1827 geboren. Im Jahre 1872 erschien von ihm „das Gebetbuch der Karaeer", welches in den Karäische» Gemeinden Eingang gefunden. — Der Reichsrat hat den Gesetzentwurf, wonach die jüdischen Stadtverordneten in keiner Stadt Rußlands mehr als den fünften Teil des ganzen Collegiunis bilden dürfe», angenommen. Ueber Ausnahniefälle hat nur der Minister des Innern zu bestimmen. — Die Couimunalverwaltung von Kiew hat ihren diesjährigen Voranschlag mit einem Deficit von 165,000 Rubel abschließen niüssen, welches einzig und allein von der durch die Ausweisung fremder Juden