Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Amtsgerichtsrat ernannt worden. — In Kerlin starb der antisemitische Schriftsteller Dr. Gtlo Glagau, Herausgeber des „Kultnrkämpfer". — Das antisemitische Blatt. „Der Landwirth und Bienenzüchter", das in Darmstadt erschien, ist eingegangen. — In Gottbus soll von, 1. April an eine neue antisemitische Zeitung unter dein Titel „Niederlausitzer Wacht" erscheinen. — In Hamburg wurden nach den erschienenen kirchlich-statistischen Zusammenstellungen von Pastor H. Kitftr daselbst in den zehn Jahren von 1881—1890, 214 Juden in der lutherischen Landeskirche getanft. — Der Polizeidirektor in Oppeln hat die Aufführung eines vom „Polnischen Vereine" in Aussicht genommenen Theaterstückes, betitelt: „Der Jud' im Fasse," wegen der antisemitischen Tendenz des Machwerks verboten. — „Freund Fritz", ein neues lyrisches Lustspiel in drei Akten von Suardou, Musik von P. Mascagni, gelangte jüngst zum ersten Male in Krrlin und Frankfurl a. M. zur Aufführung. Dasselbe erregt insofern unser Interesse, als in der zu Grunde liegenden Handlung ein Rabbiner eine eigentümliche Rolle spielt. Freund Fritz ist ein reicher Landwirt, der allen Leuten Gutes spendet; durch seinen Freund, den Rabbiner David, unterstützt er arme Kinder und mittellvse Liebespaare, welche die Ehe schließen wollen. Er feiert eben seinen Geburtstag; Susel, die Tochter eines Verwalters, bringt ihm Blumen; er findet Gefallen an dem aufblühenden Kinde; dem Rabbiner, dem Allerwelts-Ehestifter, kommt der Gedanke, die Beiden zu vereinen. Fritz besucht sein Gut, findet Susel, und verliebt sich ernstlich in sie; als David herankommt und erzählt, sic solle heirate», ohne den Bräutigam zu nennen, wird er heftig und kehrt mit seinen Frennden in die Stadt zurück. Susel ist verzweifelt; aber auch Fritz findet keine Ruhe mehr; und als das Mädchen kommt, um seine Erlaubnis für eine Heirat zu erbitten, die der Vater wünscht, kann er seine Gefühle nicht mehr bemeistern, erklärt ihr seine Liebe und die Liebende» sind nun glücklich vereint. — Bei der dritten Beratung des Jusfizetats kani es im Abgeordnetenhause in Kerlin zu Auseinandersetzungen mit den Antisemiten. Besonders kräftig trat wiederum der Herr Abgeordnete Rickert auf und Herr Virchvw gegen Stöcker- — Bei der am 25. und 26. Februar stattgehabten Einzugsfeierlichkeit des »euerwählten Bischofs der Diöcese Paderborn ward auch der jüdischen Gemeinde die Ehre zu Teil, daß eine Dputation derselben, bestehend ans den Vorstandsmitgliedern Herren Kaß und Mosberg und dem Cultusbcamtcn der Synagogen-Gemeinde, Herrn Weiler, r von dem hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Hubertus Simar in Audienz empfangen wurde. Namens der Synagogen-Gemeinde überbrachte der Vorstand derselben dem hochwürdige» Herrn die Glückwünsche zu seinem Einzuge als Bischof, sowie ' den freudigsten Dank für dessen hochherzige Spende an die Armen der Stadt, ivelche ohne Unterschied des Bekenntnisses an alle verschämten Armen verteilt : wurde. Sodann sprach der Vorsteher noch den Wunsch aus, daß Se. Bischöfliche Gnaden jederzeit der Gemeinde so wohlgeneigt sich zeigen möge. Bischof Dr. 1 Simar erwiderte ungefähr folgendes: „Sehr geehrte Herren! Es freut mich außerordentlich, Sie bei mir z» sehen, um Ihnen und Ihrer w. Gemeinde meinen : tiefgefühlten Dank für die allgemeine freudige Teilnahme, welche Sie bei meinem; Einzuge bekundete», hiermit aussprechen zu können. Geehrte Herren! Der kathoi lische Bischof kommt als Apostel der Liebe, der Liebe, die nicht durch Verschiedenf - heit des Glaubens sich begrenzt, die vielmehr alles umfaßt und in sich schließt, . aus Liebe zu dem Herrn. Scicn Sie darum versichert, daß mein Wohlwollen j und meine freundschaftlichste» Gesinnungen Ihnen und Ihrer Gemeinde jederzeit f J zugehören, und ich bitte Sie dies zur gefälligen Kenntnis Ihrer Gemeinde 10*3