Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 und Gerichtsadvokat Herr Dr. Gustav Kohn in Wien wurde zum Mitgliede des nieder-österr. Landesschulrates für die nächste dreijährige Funktionsdauer ernannt. — In Szilagyi fanden antisemitische Ruhestörungen statt. In Sarospalah wurde bei ähnlichen Ausschreitungen eine Person getötet. Ein evangelischer Geistlicher wurde tötlich verletzt und mehrere Studenten erhielten gefährliche Verwundungen. — Im Verlage des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Wien ist eine Broschüre erschienen, in der die Frage erörtert wird, ob der gläubige Katholik Antisemit sein könne. Die Broschüre führt den Titel: „Der Antisemitismus vom katholischen Standpunkte als Sünde verurteilt." Der Verfasser gibt eine historische Darstellung des Verhältnisses des Christentums zum Judentume seit den ältesten Zeiten der Kirche und citirt zahlreiche Aussprüche hervorragender Päpste, Kirchenfürsten und Theologen, aus denen hervorgeht, daß die katholische Kirche als solche ein feindseliges Verhalten der Katholiken gegen die Juden oder eine Verfolgung derselben des Glaubens wegen, nie gebilligt habe. — Das „Literarisch-Artistische Bureau" des Herr» Adolf Kaiser, Wien, IX., Grünethorgasse 8, versendet das Portrait des Philantropen Baron M. Hirsch und widmet eine» Teil des Reinerträgnisses zu Gunsten der aus Rußland vertriebenen jüdischen Familien. — In Fünslrirchen hielt Herr Rabbiner Dr. Kerls einen Vortrag über die Gestalt Shyloks in Shakespeares „Kaufmann von Venedig." — Herr Josef J. Eskenasy, früher Vorsteher der türkischseph. Gemeinde, Besitzer des Midschidje- und Takowa- Ordens, ist in Wien im 74 Lebensjahre gestorben. Derselbe hat sich um den Bau des neuen türkischen Tempels in der Circusgasse und als vieljähriger Vorsteher mehrerer humanitärer Vereine viele Verdienste erworben. — In Wien wurde am 6. Januar unter Teilnahme weiterer Kreise die vierzigjährige Jubelfeier des Geschäftshauses der Herrn Wilhelm und David Kitter von Gutmann begangen. — Man schreibt uns: Herr Rabbiner $. Kollak in Dudapest wird am 29. März seinen siebzigsten Geburtstag feierlich begehen. In Prag, Kremsier, Jnowrazlaw und Budapest bereiten sich seine zahlreichen Verehrer vor, dem geliebten und hochverehrten Rabbiner freudige Überraschungen zu bereiten. Auch Janowitz in Böhmen bei Klattau dürste vertreten sei». Janowitz war sein erstes Rabbinat. — Herr Earl Emil Franros hielt im Centralverein für Pflege jüdischer Angelegenheiten in Drag einen Vortrag über „Das Ghetto und seine Dichter." — Aus Mähren berichtet man: die „Chewrah-Kadischa" in Kisrn; beging am 26. December ihr fünf und zwanzigjähriges Jubiläum. Es wurde in begeisterten Worten des unvergeßlichen und tiefbetranerten Rabbiners Dr. K- Brüll gedacht, der in Bisenz vor Frankfurt a. Min so ausgezeichneter, unvergeßlicher Weise gewirkt hat. — Prinz Kbbas Kascha, der neue Herrscher von Aegypten, war fünf Jahre Zögling der Theresianischeu Ritterakodemic in Wien und hat dieselbe jüngst verlassen, um die Regierung seines Reiches zu übernehmen. Er ist sehr judenfreundlich gesinnt und verkehrte sehr collegial mit den jüdischen Zöglingen genannter Akademie. — Mehrere Advokaten und Schriftsteller haben in Dudapest Beratungen gepflogen und eine Denkschrift an das uüg. Abgeordnetenhaus ausgearbeitet, für welche sie mindestens 50000 Unterschriften sammeln wollen. Es wird darin ausgeführt, wie sehr es an der Zeit sei, daß die 1867 gewährte Emancipation vollständig gemacht und die Gleichberechtigung der Juden auch auf die jüdische Religion ausgedehnt werde. Bei den jüngsten Abgeordnetenwahlen haben die Juden den Kandidaten das Versprechen abgenommen, für diese staatliche Anerkennung einzutreten. — In Gesterreich befanden sich unter den zu Lieutenants in der Reserve 6.*