Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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45 gemeinden. — Nach Krür wurde an Stelle des Herrn Rabbiner Dr. Deutsch der einem Rufe an das jüdisch-theologische Seminar in Cincinnati gefolgt ist, Herr Dr. W. Ziach als Rabbiner berufen. —In der Oesterreichisch-israelitischen Union in Wien sprach am 21. November Herr Dr. Sonnenschein aus St. Louis über Juden und Judentum in Amerika. Sein lichtvoller, formvollendeter Vortrag wurde daselbst mit Begeisterung aufgeiiommen. — Am 19. December starb in Eyrnau Herr Oberrabbiner Simon Sidon im Alter von 77 Jahren. Er veröffentlichte sehr geschätzte halachische Werke, so über das Proselyteiuvesen. Er edirte auch ferner einen Commentar zu einige» Abschnitten des „Mischneh Thora" von Maimonides, dessen Verfasser Manoach ben Siuion Bedarschi aus Lünel gewesen. — Am 3. Dezember starb in Kopenhagen Herr Oberrabbiuer Prof. Wolff, geboren in Darmftadt 1801. Er wurde 1828 als Rabbiner nach Kopenhagen berufen. Bei dem Leichenbegängnisse ließ sich der König durch seinen Kabinetssecretär Geheimen Staatsrath Rosenstand vertreten. Der Cultusmiiiister Goos war persönlich erschienen.' Herr Rabbiner Siniouse» schilderte die Verdienste des Verewigte». Unter seine» größeren Arbeiten sind zu erwähnen sein ilmfangreiches Buch „Feinde des Talmud" (1878), das gegen den Antisemitismus gerichtet war, sowie seine im vorigen Jahre vollendete Uebersepung der fünf Bücher Moses. — Der Exkaiser von Üralilien, Don Pedro, ist am 5. December gestorben. Er war ein Freund der Künste und Wissenschaften; mit der hebräischen Litteratur war er besonders vertraut. — Zur hundert jährigen Feier der Vereinigung der Grafschaft..Wuai^in mit Frankreich haben in Earpentras Versammlungen ftattgefnndcu, an welchen Herr Coustans, der Minister des Innern, theilnahm. Der Minister hat den erste» Stein zu einem Rathaus gelegt, welches auf der Stelle des alten Ghetto gebaut werden soll Bei dieser Gelegenheit hat Herr Michel, Abgeordneter und Bürgermeister von Carpentras, eine Ansprache gehalten, der wir Folgendes entnehme»: „Auf diesem Theil unseres Geburtslandes, wo wir i» diesem Augenblick vereinigt sind, machte sich besonders das Bedürfnis nach Freiheit fühlbar; gerade auf diesem Platze, wo Tausende von Personen sich heute nach Beliebe» bequem bewegen und athmen könne», befand sich die verpestete und ungesunde Schlammgrube, in ivelcher ein strenges Ausnahmegesetz die zahlreiche, israelitische Bevölkerung zusainmengehäust und eingepfercht hatte, losgetrennt von den übrige» Mitmenschen. Eine der letzten Thaten der Volksvertretung der Grafschaft bestand darin, die euiiedrigenden Zeichen abzuschaffeu, ivelche die 'israelitische Bekleidung besteckteir. Sie durften endlich das Leben der Andern führen, zu Pferd in die Stadt einziehen, Herren ihrer Bewegung sein, wie ihre Mitbürger Diese Mensche», denen man nichts vorwerfen konnte, als ihre Anhänglichkeit an Glaubenssätze, welche von denjenigen der Mehrheit der Bevölkerung abiveichen. Unsere Väter haben die Israeliten in alle ihre Menschenrechte wieder eingesetzt; unserer Generation blieb es Vorbehalten, die Spuren der ehemaligen Knechtschaft gänzlich zn vernichten. In der That, gerade ans der Stelle, wo die Parias unserer Gesetze, nach dem Völkerrecht unsre Brüder, ungerecht litten, stehen Sie, Herr Minister, im Begriff, deii Grundstein zum künftigen Gemeindehause zu legen." — Eigenartigen Besuch empfingen jüngst die jüdischen Wohlthätigkeits- Jnstitute in Daris. Der Prinz Damrong, der Bruder des Königs von Siam und Ministerpräsident dieses Reiches besichtigte dieselben, darunter auch das Rothschild'sche Waisenhaus. — Der Großrabbiner von Marseilles wohnte dem Empfange bei, welcher dem Minister-Präsidenten gelegentlich eines officiellen