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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 23

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 — allwöchentlich eine Korrespondenz herauszugeben. Der Herrausgeber, Herr Lic. Gräbner, will nur „unbedingt zuverlässige und unanfechbare Tbatsachen" aus dem Lager der Antisemiten veröffentlichen. — Nach den« endgiltigen Ergeb- . nis der letzten Volkszählung in Preußen, setzt sich die Gesammtbevölkerung zusammen aus 19230375 Evangelischen, 10251807 Katholiken, 95351 anderen Bekenntnisses, 372 058 Juden und 4690 unbekannte» Bekenntnisses; gegenüber den Ergebnissen der 18d5er Zählung haben die Katholiken und die anderen Christen eine Verstärkung, die Evangelischen und Inden eine Verminderung ihres Antheils an der Gesammtbevölkerung erfahren. — In Fürth bemüht sich Herr Johann Adam Weber, Redakteur des „freien Beobachter" dem Antisemitismus daselbst Boden zu verschaffen. — In der jüngsten Versauunlung der Bodenbesitzreformer zu Kerli« ergriffen auch drei Antisemiten das Wort. Herr Gttomar Kela klagte das römische Recht als die Ursache unserer Not an und forderte Rückkehr znm mosaischen und germanischen Recht. Herr Kodeck meinte, daß er sich wohl mit dem Bunde befreunden könne, wen» nur nicht Inden an seiner Spitze ständen. — Nach dem erst jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse der Volkszählung vom I. Dezember 1890 sind in München von 349024 Einwohner 6108 d. h. 1,75 °,/° Juden — Von den 26233 Schülern der Unterrichtsanstalten in Nürnberg sind 917 Juden — In der Stadtverordneten-Versainmlung vom 16. September in Erier tvurden zwei Armenärzte allgestellt, deren einer, Herr Dr. Löwenstein, ein Jude ist. Seine Wahl hatte schon damals unter den klerikale» Stadtverordneten großen Unwillen erregt. Der Stadtverordneten-Versainmlung würde ein Schreiben zngestellt, in welchem sammtliche Pfarrer Triers gegen die Wahl des Dr. Löwenstein Protest erhoben. — Herr Jos. Schrattenhol; in Düsseldorf, der mit seinem Buche „Vor dem Scheiterhaufen" den Antisemitisnius bekämpfte, ist mit der Bearbeitung einer Schrift „Antisemitenhammer" beschäftigt. Es sollen in derselben die Classiker der Weltlitteratur gegen den Antisemitisnius zeugen — Herr Gymnasial-Oberlehrer Dr. K. Herrlich richtete an die „Nationalzeitung" ein Schreibe», mit Bezug auf die Aeußerung Liebermann von Sonnenbergs, der im Reichstage am 17. November behauptete „daß die Inden auch schon im alten römischen Reiche Wucherer gewesen" in welchem er darthut, daß sich unter den ziemlich zahlreichen Stellen römischer und griechischer Schriftsteller, welche sich auf Juden beziehen, auch nicht eine einzige befindet, in der gegen die Juden der Vorwurf des Wuchers erhoben wird. In derselben Sitzung des Reichstages wendete sich der Herr Abgeordnete Kickert in einer ausführlichen Rede gegen Herrn Liebermami v. Sonaenberg.— Weferate und Mitteilungen. Das jüdische Weib von K^ida Kemq. Mit einer Vorrede von Prof. Dr. W. Lazarus. Leipzig. Verlag von G. Laudien. 1892. Die Verfasserin eine Christin hat sich in den Stoff, den sie behandelt, gründlich vertieft und uns ein anschauliches Bild von der Stellung und der Cnlturarbeit der jüdischen Frau entworfen- Vom Altertum bis in die neueste Zeit hat sie mit sachkundigem Blicke die historischen Berichte gesammelt midist der Darstellung, soweit sie die jüdische Frau in der Vergangenheit behandelt, anzumerken, daß die Verfasserin für das von ihr Vorgebrachte, von einer gewissen Begeisterung erfüllt ist, die aber der Objeetivität keinen Eintrag thut. Die Frauen der Gegenwart hingegen müssen sich manches harte Wort sagen lassen und manche» nur zu begründeten Tadel ent-

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