Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 locale (Neue Mainzerstraße 82 I.) seine Vortrags- und Discussionsabende am 12. November eröffnet Herr War Werthcjmrr hielt eine» lichtvollen Vortrag über: „Diesociale Gesetzgebung im Alte» Testamente." Herr Dr. Adolf Krüll widmete dem verstorbenen Ehrenmitgliede Herrn Prof. Krinrich Graeh einen Nachruf. — Am 26. November sprach Herr Dr. Adolf Krüll über Güdemanns neuestes Werk: Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichtes und der Erziehung bei den deutschen Jude». — Im Mendelssohn-Verein in Frankfurt a W. hielt Herr Dr. Adolph Kohut aus Krrlin am 3. Dezember einen mit vielem Beifalle aufgenommenen Vortrag über Alexander v Humboldt und das Judentum. Er schilderte in höchst an« ziehendernnd anregenderWeise. wie Alexander v. Humboldt,der in geistigen Beziehungen zu Moses Mendelssohn, David Friedländer und Marcus Herz gestanden, gerade durch das Wirken dieser Männer den Werth und die Bedeutung der Juden für die Cnltnrbestrebungcn der Zeit kennen und schützen gelernt hat, so daß er immer, wenn sich eine Gelegenheit dazu bot. dafür eintrat, daß sie in ihren Rechten nicht zurückgesetzt werden. Zum Schlüße des höchst interessanten Vortrages, in welchem der gewandte Redner neben dein Ernst, der aus vorgelesenen Schriftstücken zu Tage trat auch Humoristisches geschick zu verweben wußte, wurde auf Humboldts Liebe zum jüdischen Schrifttume hingewiesen und wurden seine eigenen Urteile über dasselbe angeführt. — Ehrist. Kadenhausen in Hamburg, der Verfasser des berüchtigten antisemitischen Buches „Esther oder die semitische Unmoral" ist gestorben. — In einer am 10. November in Kerlin abgehaltenen Volksversammlung, in welcher Hofprediger a. D. Stöcker in seiner Weise den jüngsten Finanzkrach behandelte, wurde ihm der Fall Maß, entgegengehalten. Er antwortete: „Die Christen haben Maß, die Juden sind niaßlos". Hierauf ergriff auch sein Gesinnungsgenosse Professor Ad. Wagner das Wort, um folgende bemerkenswerthe Aeußerungen zu thun. „Woher kommt die ungeheuere Summe der BEencapitalien? Doch nur aus dem Volk! Spielt Niemand von Ihnen in der Lotterie? Ich fürchte Alle? Ich bedaure sehr, daß der preußische Staat die Lotterie begünstigt, die Staatslotterie sogar verinehrt hat. Ich bedauere die vielen genehmigten Gelegenheitslotterie». Das Börsenspiel aber ist nicht schlechter, sondern eher etwas besser als das Lotteriespiel, denn es erfordert doch etwas Nachdenken, etwas Berechnung; das Lotteriespiel gar nicht. Und auch bei diesem komme» doch die Gewinne von denen, die ihr Geld verloren haben. Man spielt nur deshalb in der Lotterie, »in reich zu werden. Was das Börsenspiel betrifft, so sind nicht nur die Termingeschäfte, sondern auch die gewöhnlichen Specnlationen verwerflich. Ich bin fest überzeugt, daß auch hier viele sind, die mühelos reich werden "wollen, indem sie ihr Geld beim Bankier für sich arbeiten lassen. Also nicht die Jndey allein, sonder» das ganze Publikum ist schuld. Die Effectenbörse ist etwas Nothwendiges zur Aufnahme von Staatsanleihen und zur Anlage der Ersparnisse der Bürger; aber das Börsenspiel brauchen wir nicht und das Publikum sollte sich davor hüten. Man sollte nicht den Reichtum an sich, sondern den anständige» moralischen Erwerb desselben achtelt. Mail sollte alle Unehrlichen, auch wenn sie reich sind, gesellschaftlich vervehmen. Darin haben wir es verfehlt. Wie kommt es, daß die Lotterielose so starken Absatz haben? Wenn die Inden die Verführer sind, so laßt euch doch nicht immer verführen! Sucht doch die Wurzel des Uebels in euch selbst! Man soll nicht gewinnen wollen, wo man nicht verlieren will. Ich schließe mit dem alten Bibelmort: „Derjenige hebe den ersten Stein, der sich frei von Sünden weiß!" — Auf vielfache Anregung seitens der Mitglieder des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hat sich Herr Kic. Gräbnrr entschlossen,