Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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267 Physik, Naturgeschichte, Gesnndheitslehre, Geschichte, Geographie, Litteratur, Zeichnen, Gesang — was uns'Deutsche befremden muß, in französischer Sprache. Ebenso waren die Handwerkerlehranstalten der Alliance in Jerusalem reich besetzt mit Schneider- Schuhmacher- Klempner- Tischler- Drechsler- Mechaniker- Steinmetz- Maurer- und Kesselschmiedelehrlingen. Der griechische Patriarch in Jerusalem hat nach dem Besuch jener Schule der Alliance die denkwürdigen Worte geäußert; „Seit Gründung des Christentums hat wohl noch nie ein Patriarch seinen Fuß in ein jüdisches Haus gesetzt. Aber ich besuche mit Vergnügen diese Schule wo Nächstenliebe und Duldung geübt und gelehrt wird." In der Zeitschrift „Nord und Süd" bjerichtete 1889 ein christlicher Reisender Dr. Joest mit höchster Anerkennung über seinen „Besuch einiger Schulen der allgemeinen israelitischen Alliance in Marokko und Kleinasien". Er erklärte, sprachlos vor Ueberraschung gewesen zu sein, als' die Judenknaben in Tetuan mit gemeinen und Decimalbrüchen rechneten, wie deutsche Secundaner, aus dem Gedächtnis die Geographie von Afrika oder Italien, bas Flußgebiet des Nil oder der Donau schilderten, besser als ein deutscher Gymnasial - Abiturient es in der Regel vermöge. Er schließt seine eingehende Schilderung mit dem auf eigene Erfahrung und vielfache Unterhaltung mit in Marokko und Kleinasien lebenden Europäern gegründeten Urteile: „Die Alliance darf ans ihre bisherigen Erfolge auf dem Gebiet der geistigen, moralischen und auch körperlichen Veredelung der dortigen Juden, ebenso wie auf ihre Erfolge in Betreff einer Besserung der Lage ihrer Glaubensgenossen in materieller Beziehung mit Recht stolz sein, es kann ihr für die Uebernahme dieser hohen und edlen Culturaufgabe und für den Eifer, mit. welchem sie sich ihrer Lösung hingiebt, auch von jedem unbefangenen Andersgläubigen die vollste Anerkennung nicht versagt werden." (Monatsbericht der Alliance, Juli 1889 S. 96.). Die Knaben- und Mädchenschule der Alliance zu Tunis hat'auf der letzten großen Ausstellung in Paris die goldene Medaille erhalten. Es ist selbstverständlich, daß aus diesen seit Jahrzehnten segensreich wirkenden Allianceschulen bereits Männer und Frauen mit europäischer Bildung hervorgingen, daß an ihnen jetzt Lehrer und Lehrerinnen arbeiten, die einst deren Schüler waren. Diese Schulen haben auch in die dortigen mohamedanischen Kreise die Segnungen der Bildung utib damit die Achtung vor Juden und Judentum verbreitet — ohne Missionsabsicht, daher um so wirkungsvoller. Und solchen bewundernswerten Erfolgen gegenüber, welche die Alliance den größten Wohlthätern der Menschheit einreiht — wie beschämend ist da die geringe Betheiligung der Juden an diesem Liebeswerke! Was wollen 32237 (jetzt gar auf 31178 herabgeschrumpfte) Mitglieder, was deren Beiträge mit 258,598 fr. vom Jahre 1887 sagen gegenüber den Millionen Glaubensgenossen, ihrem Milliarden- Vermögen? Die deutschen Mitglieder bilden zwar die Hälfte, aber was bedeutet ihre Ziffer von 15000 gegenüber der großen Anzahl von über einer halben Million deutscher Juden? Und wie wenig Nachahmung hat der unermüdliche Wohlthätigkeitsdrang des Baron Hirsch oder des sehr-mildthätigen Alliance-Präsidenten Goldschmidt unter deren deutschen Glaubens- und Finanz genossen gestmden? Der Jubiläumsbericht verzeichnet zwar Dresden unter den Gemeinden, aus denen seit Errichtung der Alliance Beiträge einginge». Aber nur etwa 30 Mitglieder gibt es dermalen hier mit 387 fr. 45 c. Beiträgen von 1887 (gegen 1093 fr. 60 cent. von Leipzig), nur 284,85 fr. im Jahre 1889. 23*