Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 gestellten Glaubensgenossen Westeuropas ihren- Brüder» bereiteten, die unter barbarischen Sitten und Gesetzen in Rußland, Halbasien und Afrika schmachten. Ja, mehr noch! die Berichte der Alliance bezeugen, daß sie es ist, die durch ihre Schulen, ihre Werkstätten, die Segnungen der Bildung, des Gewerbfleißes über jene Länder ausgießt, zunl Heil ebensowohl der eignen als der fremden Glaubensgenossen. Die Schriften der Alliance tragen an ihrer Stirn ein malerisch anfechtbares Bild: zwei iueinandergeschlnngene Hände umfassen den Erdball, auf ihm ruhen die Gesetztafeln mit der hebräischen Inschrift: „echod", einzig. Aber sachlich treffend ist das Bild: die Alliance verwirklicht die Einheit und Bruderliebe der an den Einen Gott Glailbenden auf dem ganzen Erdenrund, sie nimmt sich der in fernsten Ländern leidenden Glaubensgenossen an, unterstützt, belehrt, bildet und kräftigt sie, giebt ihnen gewerbliche Selbständigkeit und Selbstvertrauen und stellt so in der That geistig und werkthätig die Einheit dar, die allein, außer der religiösen, den Inden der neuen Zeit ansteht: die der Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit. Wohl muß es den gedrückten Juden in Persien, in Marokko erheben, wenn er sieht wie Vertreter der Alliance mit den Gewalthabern, vor denen er sich bisher im Staube demnthigen mußte, deren Launen und Unbilden zu ertragen er von Alters her gewöhnt war, in einer, diesen Achtung und Rücksichtnahme abringenden Weise verkehren, wie sie mit Hülfe europäischer und nordamerikanischer Staatsmänner ihnen edlere Anschauungen einflößen, - wie sie Schulen und Werkstätten errichten, Lehre und Bildung ausstreuen! In de» ersten Jahrzehnten waren die rumänischen, die russischen, die persischen Judenverfolgungen, die Fürsorge für Auswanderung der Bedrängten, die Gründung von Äckerbaucolonien für dieselben in den vereinigten Staaten Nordamerika's, vorzugsweise das Werk der Alliance. Was sie geleistet und jetzt leistet, davon giebt ein Einblick in ihre letzten Jahresberichte einen annähernden Begriff. Sie zählte Ende 1886 32137 (Ende 1887: 31378) Mitglieder mit 258,298 fr. (1889: 181107 fr.) Beiträgen. Sie brauchte aber weit mehr. Ein einziges Mitglied, Baron Hirsch, hat Jahre hindurch das Deficit in Beträgen hon jährlich ca. 100,000 fr. gedeckt, so das von 1887 mit 80,671 fr. ai ßer jcinent Beitrage von 64,364 fr. für Handwerksunterricht. 1888 spendete er 400,(00 fr., 1875 stiftete er mit einer Million Francs den Fond zur Errichtung jüdischer Schulen in der Türkei. Mit Recht durfte daher der Jubiläumsbericht) der Alliance von 1685 hervorhebem daß dieses eine Mitglied in Paris mehr beistcnre als 12600 andere. Aber gegen diese großartige, einzig dastehende WvlMhätigkeit des Baron Hirsch sticht die verhältnismäßig geringe Beiheiligung der! Inden nlerhanpt ab. Rach dein Jubiläumsbericht der Allianc von 1883 —die späteren Berichte enthalten keine Einzelaufstellung — zählte die Alliance 30310 Mitglieder mit 14537 in de» Einzelstaaten Deutschlands, 4789 in Frankreich und dessen (solonieen. Die Allianc unterhält— wie ihr Bericht von 1886 nachweist — im Orient, in der Türkei, in Palästina, -in Marokko ein reiche Anzahl guter Elementarschulen für .Knaben und Mädchen, ebenso! Lehrlingswerkstätten und Ackerbauschnlc», z. B. inj Jerusalem eine Schule mit 234 Zöglingen, von denen nur 25 zahlen. Unter deis Schülern befanden sich 12 Christen, 24 Muhamcdauer, zu letzteren gehörte der Sohn des türkischen Gouverneurs von Palästina. In dieser Schule wird hebräisch als lebende Sprache arabisch, türkisch, französisch,- deutsch, unterichtet, die Elementarwisscnschaftcn aber — und zwar Mathematik,