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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-10-01 · Heft 10 (1.10.1890) · p. Seite 231

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 10 (1.10.1890)
Date
1890-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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- 231 - brachte allgemeine Freiheit und gleiche Besitzvertheilung dem Volke, so ließ der siebente Tag in der Woche den Gedanken einer Sklaverei gar nicht aufkommen. So hoch Römer und Grieche» in ihrer Bildung und gesellschaftlichen Entwicklung standen, so konnten sie sich dennoch nicht zu dem Gedanken eines wöchentlichen Ruhetages aufschwingen. Mitten unter einer rastlos, ununterbrochen, dem Thiere gleich arbeitenden Menschheit steht das jüdische Volk in Gottähnlichkeit da, den siebenten Schöpfungstag ruhend. Der jüdische Sklave brauchte, ja durste ebenso wenig wie sein Herr am Sabbat arbeiten. Ist der aber noch ein Sklave, der einmal in der Woche von der schweren Arbeit wie ein Herr, wie ein Freier ruhen darf und' nicht zu arbeiten braucht? Hat der Sabbat zunächst den Zweck, „daß sich erhole der Sohn deiner Magd," so birgt er ein noch viel tieferen, werthvolleren Inhalt. Der jüdische Sabbat und Festtag sprechen unumwunden bie- Gleichheit aller Menschen aus und wollen wenigstens für diese Zeit die Gleichstellung aller Menschen auch durchführen. Heißt es doch ausdrücklich in der heiligen Schrift: Nicht sollst du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und der Fremde, der in deinen Thoren lebt, eine Arbeit verrichten. Knecht und Magd und Fremder werden am Sabbat im Hause vollkommen gleichgestellt und gleichberechtigt, und alle Standesunterschiede sind durch den Sabbatgedanken, durch die Religion verwischt und aufgehoben. Wie mußte die Gleichberechtigung, die Gleichheit und Gleichstellung aller Menschen durch den Sabbat, welcher ja stets mit der höchsten ängstlichsten Peinlichkeit gefeiert wurde, im jüdischen Volke immer weitern Boden gewinnen, und wie gelockert wurden von Sabbat zu Sabbat immer mehr die Bande der Abhängigkeit und Unterthänigkeit der Menschen! Noch viel lebhafter und offenkundiger trat dieser Gedanke durch die Feiertage zutage. Sie stellten als obersten Grundsatz die Freude auf, die nicht anders gedacht und begriffen werden kann, als wenn alles im Hause eins ist und alles ohne Unterschied an der Freude theilnimmt. Darum tragen sie an ihrer Spitze das Gebot: „Freue dich an deinem Fest du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, der Levite der in deinen Thoren weilt und der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte." Freut sich der Sklave mit seinem Herrn wie mit Seinesgleichen, da kann wohl von Sklaverei nicht die Rede sein! Judenthum und Sklaverei sind geradezu Gegensätze, die sich ausschließen, Das besagte der Vorgang der Ohrdurchbohrung bei demjenigen Sklaven, der nach sechsjähriger Dienstzeit die Freilassung nicht annehmen wollte, „Das Ohr, welches die Freiheit Israels als Zeichen der Anerkennung Gottes vom Sinai herab hörte, und diesen Ruf mißachtet, soll zur Strafe gekennzeichnet werden".') (Fortsetzung folgt.) W o n a t s sch a u. In Weilburg wurde Herr vr. A. Lewinsky aus Breslau als Rabbiner gewählt. — Am 30. Juli tagte in Limburg eine Versammlung der israelitischen Lehrer Nassaus. Der Anregung des Bezirks-Rabbiners Dr. Weingarten aus Ems ist die Gründung eines Lehrervereins unter dem Namen „Verein israelitischer ') Kidusch. 22, b.

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