Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 — 194 — Ein ganz anderes Werk ist es, das an dieser Stelle vorbereitet worden ist, still und beschmden, wie die Erinnerung, die in diesem Denkmal ihren Ausdruck finden soll. Ein einsacher Mann, hochgeschätzt als Schriftsteller in deutscher Sprache, als Vertretex deutschen Gedankens, soll in körperlicher Gestalt vor unseren leiblichen Augen erstehen, wie sein geistiges Bild, aus ferner Zeit herüberragend, in der Erinnerung der Nachwelt sich lebendig erhalten hat. Und doch, das Band, das die Feier dieses Tages mit den jüngsten herrlichen Erinnerungen unseres Volkes verknüpft, läßt sich wohl Nachweisen. Große kriegerische, staatsbildende, gesetzgeberische Thaten und Erfolge, wie die des deutschen Volkes in den letzten Jahrzehnte«, sind nicht ein Erzeugnis des Glückes, des Zufalls oder des Genies einzelner Männer: sie sind die reife Frucht der gewonnenen Kulturhöhe und weisen zurück auf die geräuschlose, geduldige, andauernde Arbeit vieler bevorzugter Geister, die sittliche, geistige Kräfte geweckt und genährt und den Boden bereitet haben, in oem die staatliche Größe und der Nachdruck der Selbstbehauptung der Nation unter den Nationen alleiu zu wurzeln vermag. Es kann iie Zeit nicht kommen, wo das deutsche Volk über jüngeren Ereignissen der großen Epoche seines geistigen Aufschwungs seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts vergäße. Das Zeitalter, welches bezeichnet wird durch den großen Preuf enkönig Friedrich den Einzigen und sein Gefolge an hervorragenden Männern in den verschiedensten Richtungen der Thätigkeit, bleibt für immer eine der stolzesten und liebsten Erinnerungen der deutschen Nation. Zu diesem Gefolge he t das ruhmvolle Herrschergeschlecht dieses Landes große Feldherren und Staa ismänner beigesteuert, rmd dem Gebiete der Gedankenarbeit hat ein Sohn dieser < Stabt, die Epoche des großen Friedrich zierend, sich einen der schönsten Ruhmeslränze unter vielen Mitstrebenden gewonnen. In diesem Zusammenhänge allein als Mitarbeiter ander Wiedergeburt deutschen Wesens im Gefolge des Philosophen von Sanssouci kann Moses Mendelssohn die rechte Würdigung empfangen. Für echteil Ruhjn ist keine Probe entscheidender, als die der Dauer. Es giebt auch sehr rergänglichen Ruhm, und mancher Name, den die Zeitgenossen aufs höchste gepr esen haben, versinkt schon bei der nächsten Generation in völlige Vergessenheit. Daß ein Mann hundert Jahre nach seinem Tode in frischer Erinnerung bei der Nachwelt fortlebt; daß sein Name auch dann noch lebendige Sympathieen ert leckt und sein verklärtes Bild der Gegenstand immer erneuter Huldigung bleibt wenn der Zustand des Volkes; und seiner Kultur sich völlig verändert hat unt ganz neue Interessen und Gesichtspunkte die Herrschaft erlangt haben: das erklä t sich weit weniger aus dem, was der Mann geleistet hat, als aus dem, "was er gewesen ist. Wem noch die späte Nachwelt die Ehren eines Monumentes göinit, der ist eine monumentale Persönlichkeit gewesen, und seine Gestalt ist eine typische, seine Bedeutung eine historische geworden, die den Wechsel der Zeiüii überdauert. Moses, des Thorärollen-Schreibers Mendel von Dessau Sohn, ist in diesein Sinne ein Typus. Er vertritt in seiner Person etwas allgemein Menschliches, dem uns« r Herz entgegenschlägt, welches Stammes und Geschlechtes wir auch sein inögen. Er vertritt eine Epoche, die in dem Entwicklungsgänge des deutschen Volkes von der entscheidendsten Wichtigkeit gewesen ist. Er vertritt die aufstrebende Kul turmacht des deutschen Geistes, die auch das spröde Widerstrebende siegreich in ihre Kreise zu ziehen vermag. Er vertritt das alles um so mächtiger als er selber, arm und niedrig von Geburt, schwächlich und gebrechlich