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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 188

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 188 (sequence 20)
Language
German
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188 \ Bericht ausgegeien. Es befanden sich in deni Institut 50 Knaben und 26 Mädchen. — Frau Simon Wai in Hamburg, spendete anläßlich ihres 70. Geburtstages, 10000 M. zur Unterstützung von Wittwen jüdischer Lehrer. — Die Lehrerversammlung in Herlin, an welcher Pädagogen aus Deutschland und Oesterreich nach Tausenden teilnahmen, nahm folgende zwei in unserer Zeit besonders wichtige Thesen an: „Die Schule ist eine Stätte des Friedens, an welcher die Kinder aller Staatsbürger in gleicher Weise unterrichtet und erzogen werden sollen." „Die Thätigkeit der Schule ist auf die Zukunft gerichtet, indem sie eine charaktervolle Jugend erziehen soll, welche frei von Klassenhaß und erfüllt von wahrer Reli ziosität und Vaterlandsliebe befähigt ist, dereinst ein urteilsfähiges und thatkräftiges Glied der Nation zu werden." — Der evangelisch-soziale Kongreß in Kerl in hat mit einer heftigen Debatte über die Judenfrage geschlossen. Herr Prof. Haruack bedauerte sehr, daß Herr Hofprediger Stoker die Jndenfrage herbeigezogen, e: meinte, die Schuld der Christen gegen die Juden sei nicht geringer, als die >er Juden gegen die Christen, und deshalb haben wir sie zu gewinnen, nachdeni wir sie so lange getreten haben. Die Auslassungen des Herrn Hofpredigers Stöcker gegen die Juden haben eine Erwiderung gesunden in einem „Offenen Brief an Herrn Hofprediger Stöcker in Berlin" von einem Frankfurter Bürger E. H. (Siehe Frankfurter Freisinnige Zeitung Nr. 7 vom 3. Juni 1890). — Herr Pastor Dr. theol. Schwalb schrieb jüngst in zwei Aufsätzen, die in der „Nation" erschi enen sind, daß" die Hindernisse für die Juden, zum Christentum überzutreten, offenbar sehr groß, für die Masse der Juden sowohl als für ihre geistige Elite unüberwindlich sind. Mit Bezug hierauf schrieb die „Israelitische Wochenschrift": Nicht Diejenigen, die sich Christen nennen, folgen der., Lehre und dem Beispiele Jesus, sondern wir Juden, besonders Diejenigen unter uns, die nicht auf das Ceremoniell ein allzu übertriebenes Gewicht legen. — Herr Missionsprediger Kieling berichtete beim Jahresfeste der „Gesellschaft zur Beförderung des Christentums‘ unter den Juden" in Berlin am 5. Juni auch von traurigen Erfahrungen bei zur Taufe Angemeldeten, deren Motive zum Uebertritte schlechte waren. — Unter dem Titel „Sonnenschein" hat der „alte Diplomat" das vierte'Heft seiner „Briefe an einen jungen Freund" im Verlage von Kichard Wilhrlmi in Kerlin herausgegeben. Er verlangt, daß die neue conservative Partei sich die Aufgabe stelle, der evangelischen Kirche eine auf einer kirchlich-geistigen Grundlage aufgebaute Verfassung zu erringen, statt sich unter der Aegide der „Kreuzzeitung" und der antisemitischen Hetzer auf die Wege eitler pietistischer und sophistischer Muckerei und Unduldsamkeit zu verirren. Er sagt ferner: Man wird es bei Gott einem Juden, der sich achtet, nicht verübeln können, wenn er sich von einer Gesellschaft zurückhält, in welcher der bitterste Haß und die ungerechteste Verleu mdung das große Wort führen. — Herr Rabbiner Dr. Levq in Gießen schreibt in einwn, einem Localblatte daselbst übersandten Artikel „Antisemitentum ist Antichristentum" unter Anderem auch. Der semitische Geist ist der Geist „der die Makkabäer! trieb, die Bewohner Jerusalems zu heldenmütigem Widerstande gegen die weltoesiegenden Römer befähigte, es ist der Geist, der den erhabenen Stifter des Christentums erfüllte, der Geist der seine Apostel beseelte, der Geist der die Evangelien schrieb." — Eine antisemitische Versammlung in Halle a. d. S. endigte mit Tumult, polizeilicher Auflösung und mit Verhaftungen. — Jüngst fand in Karlsruhe gelegentlich des 5. badischen Sängerbundfestes ein „Wettsingen" statt, an welchem 160 Vereine mit ca. 6000 Sängern aus den verschiedenen Städten und Städtchen Badens teilnahmen. Den ersten Preis für ausgezeichnete

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