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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 185

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 185 (sequence 17)
Language
German
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— 185 — der Reform erinnern können. Ein Beispiel soll diese Behauptung illustrieren. Im April 1857 wurde ich zum Rabbinatsverweser des Rabbinats Darmstadt ernannt. Eine meiner ersten reformatorischen Anordnungen war, daß das bei Begräbnissen übliche Gebet fortan vom Rabbiner oder dessen Stellvertreter laut vorgetragen und von den übrigen Anwesenden leise nachgebetet werden solle. Wer sich erinnert, wie früher dieses Gebet von allen Anwesende» zugleich i» allen möglichen Tonarten recitiert wurde und dadurch ein so jämmerliches Geschrei und Geplärr entstand, daß man sich vor den anwesenden Christen schämen mußte, kann doch unmöglich anders als solche zur Ehre der jüdischen Religion unternommene Maßregel willkommen heißen. Und dennoch sollte diese Reform nicht ohne Kampf und Widerspruch vorübergehen. Eine Anzahl von ungefähr zehn Personen reichten bei Gr. Kreisamte dahier ein Protest gegen diese Maßregel ein, vorgebend, sie verletze ihr Gewissen. Das Gr. Kreisamt forderte mich zur Berichterstattung auf, und, nachdem ich die Sache ins gehörige Licht gestellt, wurden die Petenten abgewiesen. — Aber schon seit geraumer Zeit hören wir, daß, wenn ein Begräbnis bei der orthodoxen Religionsgesellschaft stattfindet, der Rabbiner derselbe» das Gebet laut vorträgt und alle Anwesenden dasselbe leise mitbeten. Die orthodoxe Partei hat sich also sichtbar mit dieser Reform ganz befreundet, und würde man es ihr freistellen, die alte Unordnung wieder einzuführen, so würde sie es sicher ablehnen. Die hiesige orthodoxe Separatgemeinde hat wie viele andere solcher Gemeinden den Chorgesang eingesührt. Der nach den Regeln der Kunst eingeführte Gesang fördert die Andacht und die ästhetische Bildung, und ist abermals reformatorischer Fortschritt. Darmstadt im Juni 1890. M. Mannheimer. W o n a 1 s f ch a u. Am 18. Juli fand in Dessau die feierliche Enthüllung des Moses- Mendelssohn- Denkmals im Beisein des regierenden Herzogs, des gesamten Hofstaates, sowie zahlreicher Deputationen statt. Eingeleitet wurde die Feier mit einem von Herrn Geheimrat Hofaus gedichteten Chorgesang nach einem Tonsatz von Mendelssohn-Kartholdy. Die Festrede hielt Herr Professor Ur. Adolf Kalson, welche mit den Worten Mendelssohns schloß .liebet dieWahrheit, liebet den Frieden". Nach einem darauf folgenden Gesänge übergab Herr Landrabbiner vr. I. Weiße das Denkmal der Stadt Dessau, in deren Auftrag Herr Oberbürgermeister Funk dasselbe übernahm. Mit einem Schlußliede endete die Feier. Hierauf fand im Bahnhofs-Hotel ein offizielles Diner statt. Kränze zierten das herrliche Denkmal, das die Inschrift „Glaube, Duldsamkeit, Unsterblichkeit" trägt, darunter einer vom Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. — Man schreibt uns: Die Feier zu Ehren des siebzigsten Geburtstages des Herrn Geheimen Sanitätsrates 0r. Samuet Kristeller in Serlin am 26. Mai gestaltete sich zu einer glänzenden Ovation, welche ihm von nah und fern freudigst entgegengebracht wurde. Wir heben hervor, daß Herr Professor vr. Lazarus den Jubilar im Namen des Gemeindebundes beglückwünschte und ihm die Adresse, welche die Mitteilung von der Begründung einer „ Samuel-Kristeller-Stiftung" mit einem Grundstock von ca 14000 Mk. zur Förderung des Handwerks enthielt, überreichte. Ferner übergab er ihm ein Diplom, durch welches er zum Ehrenmitglied« des Gemeindebundes ernannt wurde und ein Gesamtbild, welches 16

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