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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-08-01 · Heft 8 (1.8.1890) · p. Seite 182

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 sage, „wobei die Rücksicht auf die Heranziehung der Jugend zum Gottesdienst auch in's G« wicht falle." Seit 20 Jahren erhöhen und weihen nun Orgelklänge die gottesdienstliche Ändacht in der Synagoge. Gleic>em Zwecke diente die Einführung deutscher Festgebete, (1878), die Beseitigung der sog. Trop-Melodie <1879), die Einführung des Stein'schen Gebetbuchs ür die hohen Feiertage (1879), die Gasbeleuchtung der Synagoge (1879), die Einführung des Joel'schen Gebetbuchs für die Zeit außerhalb der hohen Festtcge (1888). Seit Ende September 1886 ist Herr Ist. Jacob Winter als Rabbiner thätig. Bis dahin Stellvertreter, ward er am 8. April 1887 von der Gemeinde (mit 237 vrn 304 Stimmen) zum Rabbiner gewählt. Obwohl diese Gedenkschrist vorzugsweise der dankbaren Erinnerung an die Verdienste seiner Vorgänger gewi »net ist, bleibt es doch Pflicht der Gerechtigkeit, anzuerkennen, daß er bestrebt ist, in Synagoge und Religionsschule durch Predigt, Leitung und Unterricht dle gute» Saaten seiner Vorgänger fortzuerhalten. Das Erinnerungsfest der Synagoge lenkt den Blick auf alle die Edlen, die in ibr weilten, für sie sorgten. Es sei nainentlich der Heimgegangenen Synagogenvorstel er in Ehren gedacht: Levi Wallerstein, der 1865, Gemeindevorsteher Kvmmerzier rat Joseph Meyer der 1878, Julius Mendelcohn der 1882, Gemeindedeputirter (imanuel Levy der 1890 verschied. Eim alte jüdische Sage läßt in der Nacht des Versöhnungsfestes die Tobten zun Gebet in der Synagoge versammelt sein. Unser rückschauender Blick, unser dankbares Gemüt sieht in der Synagoge die Heimgegangenen Lieben gegenwärtig, nicht als furchterregendes Schreckbild, sondern als traute Erinnerung, als liebevolle Mahnung. Wie sie hier in Freud und Leid weilten, Ruhe und Frieden fai den, so auch wir. Aber wie sie eine schönere, freiere Zeit herbeisehnten, so müssen und wollen auch wir, gemütlich eins und einig mit ihnen, immer nuhr dahin wirken, daß die große Scheidewand, welche noch immer, uns je länger desto mehr, zwischen Gottesdienst und Leben, zwischen Bräuchen md Ueberzeugungen sich aufthürmt, beseitigt, daß die Entfremdung vom religiösen Leben, die Erkaltung für jüdisches Wesen, herbeigeführt nicht blos durch Strsbertiim und ungünstige Zeitströmung, sondern durch die, trotz aller einzelnen Neuerungen noch immer allzustcFk betonten asiatischen und asketischen Absonderlichkeiten aus uralter und aus mittelalterlicher Zeit, einer reineren, freieren Auffassung des Herrlichen, des Einzigartigen im Judentum weichen, daß das Gemüt und die Phantasie ihre ethische und ästhetische Befriedigung im deutsch-jüdischen Gottesdienst erhalte, und man sich immer mehr bewußt werde: daß das £ udentum die Religion ist des Geistes und des Herzens, die kein Opfer des Berstendes fordert, sondern, je gründlicher erforscht, desto leuchtender strahlt, weil ihr (Grundgedanke ist: Ein Gott, eine Menschenliebe. älter man wird, auf eine je längere Lebensdauer der Mensch zurückbstckt, desto klarer wird er sich der göttlichen Vorsehung, ihrer liebevollen Leitung dstrch Nacht zum Licht bewußt. Das zeigt sich, wie im eignen, einzelnen Lebenslaufe, so i i dem der Gesammtheit, in der Geschichte. Das offenbart auch der israelitischen Ri ligionsgemeinde Dresden ihr letztes Halbjahrhundert. Mögen seine Schöpfungen und Errungenschaften unsere Kinder und Nachkommen fördern und zu weiterem Fortschritt ermutigen.

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