Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I DoPulÄ - lvissenüclmstlicky zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. iU. Herailsgegeben noss Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. i; per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen mib Postaustalten des In- und Auslandes. 10. Jahrgang. Frankfurt a. M., de» I. August 1890. Dummer 8. Das Werbot des Schreibens an Sabbaten und Jesttagen. - Nachdruck verbaten. Bon Zeit zu Zeit gewinnen manche herkömmliche religiöse Usanzen dadurch, daß in Folge veränderter Lebensverhältnisse die Uebung und Ausrechterhaltung derselben erschwert wird, ein gewisses aktuelles Interesse, das, wenn man sich nicht ohne Weiteres über sie hinaussetzen will, mehr als sonst dazu Veranlassung giebt, sich nach ihrem Ursprünge und ihrer Bedeutung umzusehen und danach zu erwägen, ob die betreffenden Vorschriften zu Recht bestehen oder ob sie sich nicht so auffassen und modificieren lassen, daß dadurch das behindernde Moment, das in ihnen selbst zu liegen scheint, in Wegfall komme. In solchen Fällen haben hervorragende und maßgebende Gesetzeslehrer des Judentums es nie gescheut, Wege der Erleichterung aufzusuchen und durch Distinktionen, die sich ihnen aus der Erforschung der in der talmudischen lind decisörischen Litteratur vorhandenen halachischen Erörterungen oder auch aus eigener rationeller Einsicht ergaben, Lehre und Leben in Einklang zu bringen. Viel schwieriger erscheint das in unserer Zeit, in der solchen Versuchen, selbst wenn sie nicht als auf freierer Auffassung des Gesetzes beruhende reformatorische Maßnahmen sich kundgeben, schon von vornherein von denen, die keine andere Autorität als die Gewohnheit der Väter anerkennen, soviel Mißtrauen und Widerspruch entgegengebracht wird, daß man cs für völlig zwecklos halten muß, derartige Fragen zu besprechen und dies um so weniger, als man sich in vielen Kreisen der modernen Orthodoxie mit der papierenen Existenz des Religionsgesetzes begnügt und thatsächlich dasselbe Übertritt, ohne daß auf ihren Kanzeln ein Wort der Rüge darüber laut wird. Trotzdem halten wir es für angezeigt, in sachgemäßer Weise darzulegen, welche Bewandtnis