Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Die Moralpredic t muß bei ihrer (S. 36) konstatierten geringeren Beliebtheit doch nicht in das daselbst angegebene Dilemma verfallen; das rechte Wort zur rechten Zeit zu sprechen^ ist eine Pflicht, die nicht umgangen werden darf; der Prediger darf auch, gleich dem Propheten, votn „Zorne Gottes" erfüllt sein und darf unbedenklich die Zeitsiinden auch ironisch geißeln (s. S. 38). Nach dieser Richtung hin wii d auch jdie Polemik, die natürlich alles Persönliche meidet, gestattet und uitte: Umständen geboten sein (>■ S. 42). Auch möchten wir die moderne Predigt mehr an das Prophetentui» angelehnt sehen. Die Bemerkung (S. 2) über „die zumeist augenblickliche Eingebujig des Propheten gegenüber der sorgfältigen Vorderen ung des Predigers" wird vom Verfasser selbst (S. 175) aufgehoben, indem ev schreibt: „Auch die Propheten der Schrift ttugen in vielen Fällen nur ihre vorher aufgezeichneten Redest öffentlich vor". Einzuschränken ist der Satz (S. 21) „Wir glauben, das Dogma bilde überall den Mittelpunkt der christlichen Predigt." Auch an dem Versöhnungstage den „Mittler" immer vorzuführen, kam abgeschmackt werden und füll möglichst vermieden werden. Wir thun besser, die eigenen Schäden zu bekämpfen, als auf solche in der „Tochterreligion" hinzuweisen. Wenn Herr Dr. May bäum dem sel. Mannheimer „Zerfahrenheit" zum Vorwurfe macht, so ist es dieselbe Zerfahrenheit, die wir auch an den Propheten wahrrehmen können. Man muß Mannheimer, den unerreichten prophetischen Redner, gekannt und gehört haben, ihn» den Mann des Zornes und des Eifers, der nicht zu den vorsichtigen Theolügen zählte, die ihre Worte wägen Ünd prüfen, ob re nicht anstoßen, der sich einen Diener Gottes fühlte und nicht einen Knecht de, Gemeiüde, um diese seine „Zerfahrenheit" zu verstehen. Auch müssen wir in Bezug auf Herrn Dr. Jellineck hervorheben, daß wir mit Herrn Maybaum nicht übereinstimmen, wenn er schreibt (S. 52) „So läßt es sich kaum rechtfertigen, baf; Jellineck am Hüttenfeste über „das Mutterherz" spricht. Gerade diese Predigt ist ein Meisterstück jüdischer Kanzelberedsamkeit und war am Feste ganz an ihrem Platze. Peite 152 wäre es geeigneter gewesen, anstatt auf Kaufniann auf Einhirn, Holdheim und Andere hinzuweisen. Wir haben über das sonst ausgezeichnete Buch des Herrn Maybaum noch Vieles am Herzen, da die moderne jüdische Predigt eher Verfall als Aufschwung zeigt, der nicht durch eine „jüdische Homil:tik" alltin behoben werden kann, da der Prediger zwei Eigenschaften besitzen muß, die leider immer seltener werden, Charakter und theologische Gelehrsamkeit. Möge has Buch des Herrn Dr. Maybaum zur Weiterarbeit auf dieseni Gebiete )er modernen jüdischen Theologie anregen. Wie not es thut, daß die jiidischen T jeologen sich niehr in Zucht nehmen müssen zeigen so recht jüngst durch den „Jsrielit und Jeschurun" veröffentlichte Reden orthodoxer Rabbiner» die znm Gedenker an den verstorbenen Chefredakteur des betreffenden Blattes in Mainz gehalten wurdenj eine wahre Musterkarte homiletischer Entartung und Verwilderung. Inhalt: Gabrcl Rikßer, ein Kämpfer für Recht und .Freiheit. Bortraa, am .8. Februar 189<> im jüdischen Litteratur-Berein zu Bochum gehalten von Dr. M. Sitberstein, Eta! >t- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden. (Forts.) — Ein Halbjahrhundert m der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden. Erlebtes und Erlesenes von Emil nn (Forts.) — Der Glaube an die Unsterblichkeit und die Idee der Wiederdes Menschen. Bon vr. Rothschild (Forts.) — Monatsschau. — Referate Mitteilungen. —Beilage. Lehr um gebürt und Verantwortlicher Buchhandel bei Kedakteur! und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den rranj Benjamin Ausfarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.