Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 schrift „Fraternitatea“. — Zn Hudson wurde Herr L. Frensdorf und in Albuqurrque Herr Michael Wandel z»>» Bürgermeister gewählt. — Am 31. März stärk in Jerusalen» Rabbi Josef aus Kolna, im Alter von 104 Jahren. — In Smyrna wurde Herr Uispm Kevy zum Mitglied des Apellgerichtshyfes gewählt. — In Algier fanden Indenerrelse in Guelma, Eonstantine, Iemappes und Gurd- Zenati statt. Die Läden von Israeliten wurde» durch Araber geplündert. Truppen mußten einschreiten. Es gab Verwundete und Tode. Hier sehen wir Semiten gegen Semiten ini Kampfe. — Die altehrwürdige Abrahamseiche bei Hebron, die ihre weitausgebreitete Aeste schon lange nur mit vielen Stützen hatte tragen können, stürzte im Frühjahre 1889 bei einem starke» Sturme zusammen. Hteferale und Mtleitungen. Im Verlage von Ferdinand Dümmler in Kerlin ist erschienen: „Jüdische Homiletik nebst einer Auswahl von Texten und Themen" von Dr. Z. Waybanm, Rabbiner der jüdischen Gemeinde und Docent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Das Buch, das erste in seiner Art, bespricht in sachgemäßer und umfassender Weise die theoretischen Normen, welche sowohl bezüglich des Inhalts als auch der Form i» der jüdischen Kanzel- oder Casualrede Beachtung und Anwendung erheischen. Herr I)r. Maybaum, der als Rabbiner einer Großgemeinde reiche Erfahrung besitzt upd als Docent für Homiletik auf diesem Gebiete fleißig gearbeitet, hat durch sein Buch jungen Theologen, die bislang zumeist auf sich selbst angewiesen waren, einen großen Dienst erwiesen, indem er ihnen sowohl in Bezug aufStoff durch die wertvolle Beigabe einer Auswahl von Texten und Themen für alle Sabbate, Festtage und Casualien als auch auf die Methode der Bearbeitung und Behandlung desselben viel wertvolles Material darbietet. Einige Bemerkungen, die hier folgen, mögen dem geehrten Herrn Verfasser ein Beweis sein, mit welcher Aufmerksamkeit wir seinen Ausführungen gefolgt sind. I» der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der jüdischen Predigt durfte zugegeben werden, daß die moderne Kanzelberedsanikeit in formeller Hinsicht sich an fremde Muster anlehnte, da die in spanischer Sprache verfaßten Predigte» des 17. und 18. Jahrhunderts erst in neuerer Zeit in bibliographischer und litterarischer Hinsicht in Betracht genommc» wurden, Die Frage, ob die Predigt als ein integrirender Teil des Sabbalgottesdienste^ anzusehen sei, kann nicht so entschieden bejaht werden, wie es S. 23 geschieht Eine kurze einfache Belehrung oder homiletische Auslegung einer Schriftstelle dürfte sich unter Verhältnissen viel eher empfehlen. Daß die an den Sabbaten stattfindenden gottesdienstlichen Vorträge an den laufenden Schriftabschnitt anknüpfen oder irgendwie auf denselben Bezug nehmen (S. 31), ist eine gerechte Forderung, doch ist von einer gesonderten inhaltlichen Darlegung desselben entschieden abzuraten, da nicht wenige Teile des Pentateuchs, z. B. Opfer- und Reinheitsgesetze, sich dazu nicht eignen und kein Moment unmittelbarer Erbauung in sich tragen. Die S. 35 A. 2 gerügte Auslegung gehört mehr in das Bereich der „Andeutung," von der in der „Derascha" oft Gebrauch gemacht wurde. Der Prediger thut am besten daran, wo dergleichen Auslegungen sich ihm darbieten, bloß den gedanklichen Inhalt derselben zu benutzen.