Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1890)
- Date
- 1890-04-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Menschen, dag sie noch im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot erarbeiten müssen? Welche Handwerke betreiben etwa Hirsch und Löwe und Fuchs, um den Lebensunterhalt zu verdienen? Finden diese ihr reichliches Auskommen von den reichen Gaben der Natur und stehen doch im untergeordneten Verhältnisse zum Menschen wie sollte nicht der Mensch, der Herr der Schöpfung, arbeits- und mühelos feine Nahrung und seinen Unterhalt finden? Die Antwort lautet: Die Arbeit ist notwendig, unentbehrlich, die Rückkehr zum Urrnd Naturzustände unmöglich, der Mensch will es seinem Wesen nach selbst nicht und kann es auch nicht. So verlockend und paradiesisch glücklich Vielen die natürliche Einfachheit, die gänzliche Bedürfnißlosigkeit erscheint, so sehr der denkende Geist darauf die wahre Grundlage irdischer Glückseligkeit zu wiederholten Malen rufzubauen versuchte, so wenig kann der Mensch, der denkende, sich entwickelnde und fortschreitende Mensch mit dem Thiere die gleiche Naturstnfe für aller Zeiten Dauer beibehalten. Schon der erste Mensch sträubte sich mit Händen und Füßen dagegen, konnte sich vor Entsetzen gar nicht fassen, als er den Fluch Gottes hörte: „Er solle gleich den Thiere» der Erda von den Kräutern des Feldes leben und sich nähren". Er beruhigte sich erst, als er von der gütigen Gottheit die Erlaubnis erhielt, das Brot zu seiner Speise machen zu dürfen, wen i er auch dieses wie jeden andern künstlichen Genuß mit größerer Anstrengung und vermehrtem Aufwand von Kraft und Thätigkeit gewinnen müßte?) Die Nctur selbst zwingt den Menschen zur Arbeit. Will er essen, muß erteil Boden bebauen und ihm die Früchte abzwingen; und je größer die Zahl der Menschen uuf Erden, desto weniger wird die von der Erde freiwillig hervorgebrachte Flmät ausreichen, den Hunger der Menschen zu stillen, und genügte sie auch so m;ifite der Ertrag in der Zeit der Fülle sorgsam eingeheimst, aufbewahrt und weise -damit hausgehalten werden für die Zeit des Hungers. „Der Mensch muß sein eigener Sclave sein, denn arbeitet er nicht für sich, dann hat er auch niht zu essen?") Der Mensch muß sich auch zum Sclaven der Erde niachen, welcher er unausgesetzt seine Zeit, seinen Fleiß, seine Arbeit und Kraft widmet; nur in diesem Falle gewinnt er zum Lohne die Mittel zu seiner Sätt gung, welche die Erde denl Trügen unerbittlich versagt?) Darum sträubt sich der dem Menschen von Natur eingcgebcne Selbsterhaltungstrieb gegen jede Art von! Rüßiggang. Müßiggang ist nach der Lehre der Alten ein Grundübel, die Quel e alles Unglücks, das den Menschen getroffen hat und immer trifft?) Die fünfte Stufe zur Sünde bildet der Müßiggang?) Der Müßiggang hat den Tod der Menschen verschuldet und ihnen das Paradies geraubt. Denn hätte Al am sich nicht dem süßen Nichtsthun, dem Schlafe zur Tageszeit hingegeben, wahrend seine Gattin Eva die gefährliche Unterhaltung mit der Schlange führte, so hätte er rechtzeitig seine Gattin dem Bereiche der Verführung entziehen könne/.v .v v-° "..' R. Tariphon l Tod veranlaßt i, und das Leben und das Paradies wäre nicht verloren gegangen?) hrte: Nicht allein des ersten Menschen Tod, eines jeden Menschen der Müßiggang. Das gilt nicht allein für Männer, ebenso für Nicht n als Urbild den gestellt^). Denn ■) M. Gen. Crez. Sutt. 6. ö) Frauen und st gar für Kinder. 7) it Unrecht wird an Stelle Adams unser erster Stammvater Abraham wahren Menschen, als Muster und Vorbild der Menschen hinals ihm Gott die Wanderung aus seinem chaldäischen Vaterlande . c. 2». -) Ebendaselbst c 14. -) Sanh. 58, b. 4) M. Gen. r. c. 17. Der. M. Gen. r. c. 17 u. 19. 5) Aboih d. R. R. 11. «) M. Gen. r. e. 19. 1 I «