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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-03-01 · Heft 3 (1.3.1890) · p. Seite 72

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 3 (1.3.1890)
Date
1890-03-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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— 72 — kein unerlaubtes Geschäft abgeschlossen habe. Welche herabwürdiAende, ja wahrhaft entehrende Lage für jeden rechtlichen Mann! Welcher Spielraum auf der anderen Seite für Haß, Feindschaft und Geschäftsneid! Es brauchte nur die Majorität eines Gemeinderates einem jüdischen Kaufmanne das Zeugnis zu verweigern und seine Existenz war ruinirt, dazu kam noch, daß durch diese Bestimmungen dem Boucher, der ja nicht in die Foryl eines Geschäftes gekleidet werden mußte, grrk nicht vorgebeugt wurde. _ Einem ber achtbarsten Mainzer, dem Obergerichtsrat und Landtagsabgeordneten Glaubrech war es Vorbehalten, seine jüdischen Mitbürger und deren Glaubensgenosse, in der Provinz von dieser druckenden Bestimmung befreien zu helfend Schon 1832 hatte er mit seinem Kollegen Kertell und Trommler (aus Mainz), im La»! »tage die Aufhebung des Inden-Dekrets beantragt, dann» 1635, wiederholt erfolg os dessen Revision verlangt, bis es seinen beharrlichen Bemühungen endlick, nach zehn Jahren, gelang, die Aufhebung zu bewirken. Groß war bei dieser Nachricht die Freude unter der jüdischen Bevölkerung Rheinhesscns^ und um derselben eine,) äußeren Ausdruck zu geben wurde — nebst einem silbernen, die Gr mdlage der Spende sinnig vorführenden, Pokale; zu dessen Beschaffung auch de, ärmste Jude Rheinhessens beisteuerte, — Glaubrech eine Adreffe überreicht. In dieser, .die Schaab, a, a. O. S. 430 ff. mitteilte und Boerckel im Auszuge gab) tritt in schöner, aus der Seele kommender Sprache der Zwang und die Enge des socialen Lebens der deutschen Juden und die Dankbarkeit ihrer rheinischen Brüder für den wahrhaft im Sinne des Evangeliums handelnden Fürsprecher zu Tage. „Abermals" heißt es in ihr ist also eine Schranke gefallen, welche, dem zgroßdn Prinzipe der Gleichheit und Freiheit zuwider, die vollständige Entwicklung und Heranbildung der Juden für den Staatszweck auf ganz gleiche Stufe mit ihre» christlichen Brüdern einzudämmen geeignet war. Nur dann, wenn die letzte Scheidewand zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern nicht allein vor dem Gesetze, welches nur eine Gerechtigkeit für Alle und gegen Alle kennt, sondern auch in der bürgerlichen Stellung, in den Sitten und in der öffemlichen Meinung durch das gemeinschaftliche Leben aufgeklärter und humaner Männer niedergerissen sein^vird, ist es den Juden möglich, die ganzen Beweise von Bürgertugend und Patriotismus zu liefern, deren sie nicht minder fähig sind, als ihre christlichen Mitbürger! Wo jene Scheidewand gefallen ist, mußte« ihnen das Zeugnis ihres redlichen Willens und ihrer ausdauernden Kraft I in rühmlichster Weise ertheilt werden." — Daß heute, nach mehr als vier Jahrzehnten für die deutschen Juden wahrlich nicht jede Scheidewand zwischen dem Gesetz und seiner Anwendung gefallen ist, heißt uns, mit der Vertiefung de! Leidmutes, in treuer Dankbarkeit das Andenken jener Männer Hochhalten, die n ie Glaubrech, Kertell und Trommler, und die den Ersteren im Landtag unterst»! senden Aull, Kilian uud Locheisen, für die heilige Sache der Gewissensfreiheit seintraten. Inhalt: Ein Ha und " Idee israeliki .bjahrhundert in der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden. Erlebtes lesenes hon Emil Lehman». — Der Glaube an Unsterblichkeit und dir :r Wiedergeburt des Menschen. Von Dr. Rothschild. — Regelung deS ischcn Gemeindewesens in Ungarn. — Renan über den Antisemitismus. Menatschau — Referate und Mitteilungen. — Beilage. En der Verantwortlicher Red Buchhandel bei F r jaftour und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den fl»z Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönners Druckerei (8). W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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