Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1890)
- Date
- 1890-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— j 51 - Nur kurze Zeit, als Student während seiner Ferien, unterstützte der Sohn unser nachmaliger Oberrabbiner vr. Landau, den Vater im Unterricht, insbesondere in der deutschen Sprache. Der Vater war daneben damals schon Vorbeter in der Mendel-Schie'schen Synagoge auf der Webergaffe im Arnold'schen Hause. ' „ Diese Synagoge zu deren fieißigem Besuche ich schon in frühester Kindheit angehalten wurde, hatte ein für damalige Zeiten und Anschauungen feierliches und würdiges Ansehen. Sie umfaßte zwei Stockwercke und bestand aus einem hohen, großen viereckigen Raume mit einer Frauengallerie im Obergeschoß und mit der viereckigen Bühne, dem Almemor, in der Mitte, zu dem zwei kleine Treppen führten. Im Osten stand gleichfalls auf einer Treppe der noch jetzt in der Wintersynagoge befindliche heilige Schrank. Rings an den vier Wänden liefen Bänke, ebenso vor und hinter der Bühne. Vor den Bänken befanden sich den Notenpulten ähnliche, jedoch zumeist mit Kästen versehene Ständer. Die Besucher dieses Bethauses waren vorzugsweise Angehörige der Familie Schic. Der Banquier Mendel Schic (Gemeindeältester in den Jahren 1813 bis 1837) erhielt es, wie zuvor sein Vater, mein Urgroßvater der Judenbesteller Jacob Löbel Schic, aus eigenen Mitteln. Ein guter Teil der jetzt in der Synagoge befindlichen Silbergeräthe und kostbaren Vorhänge, sowie der große Chanukaleuchter stammt aus diesem Bethause. An diese meine Jugenderinnerungen knüpften sich für mich die ersten Eindrücke des Gemeindelebens. Den Rabbiner lernten wir dadurch kennen, daß uns der alte Landau ihm in seiner Amtswohnung, im Gemeindehause an der Mauer, zum Verhören, wie der Ausdruck lautete, zuführte. Auch einer öffentlichen Schulprüfung entsinne ich mich, und der Zurechtweisung, die der Gemeindeälteste Hirsch Beer von unserm Lehrer erfuhr als er hineinreden wollte. So sah ich denn in Schule wie Bethaus schon ziemlich geordnete Verhältnisse vor mir. Es war das aber nur ein kleiner Teil des Gemeindclebeüs. Eine zweite Privatschule bestand unter der Leitung Rüben Aron Meyer's, eines Kaligraphen, oder wie es hebräisch heißt: Sopher, von dem sehr schön geschriebene Thorarollen vorhanden sind. In seiner Schule befanden sich Knaben und Mädchen. Neben deni geschilderten Betsaale gab es in meiner Kindheit hier noch drei Betstuben, die Philipp Aron's auf der Zahnsgasse, die Bondi'sche auf der Schreibergasse, die Ollek'sche oder Sekkel'sche hinter der Frauenkirche, sämtlich weniger hoch, einfacher eingerichtet und mit anstoßender, durch verhängte Schranken getrennter Frauenbetkammer. Diese verschiedenen Beträume hatten darin ihren Grund, daß nach der Judenordnung - für die Residenzstadt Dresden von 1772 den Juden weder eine Synagoge, noch ein besonderer Ort zur Verrichtung ihrer Ceremonieen gestattet war, vielmehr jeder Hausvater solche mit den Seinigen in möglichster Sülle üben sollte. So konnten sich nur Privatbethäuser allmählich bilden, sie wuchsen auf sieben und hatten sich zu meiner Zeit, nachdem auch die von Michael Kaskel und von Eibeschütz eingegangen waren, auf obige vier gemindert. Nach einem in unserm Gemeindearchiv vorhandenen hebräischen Namensverzeichnis der Besucher jener 7 Betstuben, vermutlich aus dem Anfänge des Jahrhunderts, zählte die von Löb Lejkefch oder Sekkel deren 48, die Bondi'sche 59, 5*