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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-03-01 · Heft 3 (1.3.1890) · p. Seite 50

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 3 (1.3.1890)
Date
1890-03-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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— 50 — heute ist mir!das Gefühl erinnerlich, das niich vor der Thür erfaßte, mit dem ich in die Stube eintrat. Ein Zimmer war die ganze Schule. Es war kein freudiges Gefühl. " i Doch die Mißstimmung des von einer zärtlichen Mutter verwöhnten, wohl wegen seiner häuslichen Unbändigkeit so früh zur Schule verwiesenen Kindes wich bald einer besseren Erfahrung. . Denn in dem „alten Landau" fand der Knabe einen väterlichen Freund und Lehrer, in der. Schule gleichaltrige liebe Genossen. Es war eine eigentümliche Schule, ein eigentümlicher Lehrer. . Um einen langen viereckigen Tisch saßen wir Knaben, sämmtliche Zöglinge der-Schule herum: obenan der Lehrer, immer derselbe, der „alte Landau", der uns Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, biblische und allgemeine Geschichte im Verein mit Erdkunde und — zuletzt, jedoch nicht zum Wenigsten — Hebräisch lehrte. Von Stundeneinteilung war keine Rede. Die Nachmittage waren ausschließlich dem Hebräischen gewidmet, dem Lesen und Uebersetzen der Gebete und bexf fünf Bücher Mosis. Der „alte Landau" war kein studierter Lehrer, aber ein ausgezeichneter Lehrer. Er war der Sohn des im Jahre 1803 hierherberufenen ersten Oberrabbiners von Dresden, des im Jahre 1818 verstorbenen David Wolf. Landau. Der Naüie Landau lebt in drei Geschlechtern In unsrer Gemeinde fort in Ehren. Der Eltervater Rabbi David Landau Der erste war's in der Rabbinen Kette, Die hier in unsrer Gemeinde wirkten. Ihn haben unsere Väter einst berufen Aus weiter Fern' als hochgelehrten Rabbi, Und bis auf unsre Zeiten ist verblieben Die Kuüde seines liebenswürd'gen Waltens. i Sein Shhn war Markus Lyndau; unvergessen Bleibt dieses Ehrenmannes freundlich Bild Pen Schülern die er liebevoll belehrt. Der Erste war's, der in der Synagoge Andächtig, edel, schlicht und würdevoll Borbeter war — sein denket wer ihn kannte?) Der alst Landau, wie ihn seine Schüler ehrend nannten, war von Hause aus Kaufmann. Daher hatte er seine schöne kaufmäunische Handschrift und sein klares Rechnen, Er war ein Meister in der Rechenkunst, und wußte uns Kindern, wie das Lesen, so das Rechnen, in einer sehr faßlichen Weise beizubringen, so daß wir beides in erstaunlich kurzer Zeit lernten. Er war ein Feind der von ihni sogenannten „Maschine," des mechanischen, gedankenlosen Gedächtniskrams, und wußte seine Schüldr zum Denken anzuhalten. Dazu führte besonders sein Unterricht im Kopfrechnen. Für seine gediegene Unterweisung' in den hebräischen Gebeten hatte er - sich eine selbstgefertigte Uebersetzung des Gebetbuchs, Sidur, zusammengestellt. Aber er war nicht bloß Lehrer, er war väterlicher Freund seiner Schüler, er ging mit ihnen gerü und oft ins Freie und freute sich mit ihnen an den Naturreizen unserer Umgebung. >) Aus: „Ansprache zum Jubiläum des Obberrabbiner vr. Wolf Landau 1875."

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