Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I PopM - mssensclmftlickq zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In« und Auslandes. 10. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Februar 1890. Kummers. Kaiserin Augusta. Am 7. Januar starb unsere erhabene Landesmutter, die erste Kaiserin des wiedererstandenen deutschen Reiches. Sie wurde nicht müde, ihre Thätigkeit in den Dienst der Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu stellen, und wird uns als ein Muster edler Frauentugend stets entgegenstrahlen. In Weimar, über das in ihrer Jugendzeit der volle Glanz unserer klassischen Culturepoche strahlte, haben ihr Geist und ihr Herz Eindrücke empfangen, die sie ihr ganzes Leben erfüllten, so daß sie angehaucht von einer erhabenen Gedankenwelt einen überaus regen Sinn für Kunst und Poesie entfaltete und den geistigen Bewegungen der Zeit stets reiches Verständnis und rege Theilnahme entgegenbrachte. Ihr Leben war ein in Glück aufsteigendes, in dessen Glanz der Tod ihres einzigen großen Sohnes, des unvergeßlichen Kaiser Friedrich, dunkle Schatten hineinwebte. Die hohe Frau hat an der Seite des hochseligen Heldenkaisers Wilhelm I. Großes und Herrliches erlebt und hat im Glücke wie im Unglücke sich stets als eine von Gott erfüllte Frau bewährt, die. sich glücklich fühlte, wenn sie Leiden lindern und Thränen trocknen konnte. Die edle Fürstin bekundete einen toleranten Sinn und betonte oft, wie unablässig wohlthätig sich die Juden bewähren, sie zeigte dadurch wie die Menschenliebe ihr als etwas Hohes galt, das nichts mit dem Hader und Streite des Tages gemein hat. Herr Rabbiner Dr. N. Brüll gab am 11. Januar, dem Beisetzungstage der hochseligen hohen Frau in der Hauptsynagoge in Frankfurt a. M. den Empfindungen allgemeiner Trauer ergreifenden Ausdruck und heben wir aus seiner Rede Folgendes hervor: