Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1886)
- Date
- 1886-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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unter dessen Schutze der Mendelssohn-Verein und dessen Organ stehen, ihr glückliches Gedeihen und ihr segenvolles Entfalten begünstigen. Schon das sechsjährige Bestehen der Monatsblätter legt den Beweis ab für die ewige Wahrheit und' den unvergänglich dauernden Kern unserer Religion, die da währt und bleibt durch alle Zeiten und Zeitalter und einen Beleg bildet für die Wahrheit des Dichterwortes: „Hoch über der Zeit und dem Raume schwebt Lebendig der höchste Gedanke!" Kantor Lichlenstein und Lowes Hratorium „das ßoße Lied Satomonis". Es ist eine ^äußerst interessante Episode aus dem Leben des berühmten Balladencomponisten und Oratoriendichters Johann Karl Gottfried Löwe (starb am 20. April 1867 zu Kiel), bei der Kantor Lichtenstein eine hervorragende Rolle spielt, die auch seine Persönlichkeit im Bezug auf Begabung und Charakter beleuchtet, welche wir unfern Lesern aus Grund von. Erzählungen von Löwes ältester Tochter Julie, mitaeteilt von August Wellmer in der Zeitschrift Halleluja (IV. Jhrg. No. 10) in "Folgendem Mitteilen: Es war umdie Zeit der lieben deutschen Kaffeestunde. Die Maschine dampfte den belebenden Duft ihres Inhalts von sich und die Löwe'sche Familie saß heiter plaudernd um den Tisch herum. Karoline Velthuysen, unsere liebe alte Hausfreundin, eine Nachkommin von dem Freunde Spinoza's, saß neben meinem Vater auf dem Sofa, meine Mutter auf ihrem gewohnten Platze und meine Schwestern Helene und Anna waren an meiner Seite. Die gemütliche aber zugleich anregende Unterhaltung wurde durch die Meldung des Dieners unterbrochen. „Herr Lichtenstein, der Vorsänger der jüdischen Gemeinde, bittet um Erlaubnis, denr Herrn Direktor feine Aufwartung machen zu dürfen." „Führen Sie", antwortete mein Vater, „Herrn Lichtenstein einstweilen in mein Zimmer, Recherchen, und bitten sie ihn, einen Augenblick zu verweilen." „Ist das derselbe Lichtenstein, der in den größeren Konzerten im Orchester mitspielt?" — fragte Helenchen — „ich kann Nathan den Weisen nicht lesen, ohne meine Vorstellung von ihm mit diesem Lichtenstein in Verbindung zu bringen." „Er ist derselbe" — antwortete Fräulein Velthuysen —; „mir geht es übrigens ähnlich snit ihm. Sein schöner Kopf, die würdige Haltung könnten einem Maler zum Modell dienen." Inzwischen hatte sich mein Vater entfernt, doch bald kehrte er mit der frage zurück, ob wir gestatteten, daß er sämtliche Flügelthüreu öffnen dürfe, da err Lichtenstein beabsichtige, etwas vorzusingen, wozu er eines weiten Raumes bedürfe. Wir wollten uns erheben, aber Papa bat Platz zu behalten und setzte sich dann ebenfalls wieder hin, da Herr Lichtenstein jede Klavierbegleitung abgelehnt hatte. „Fangen Sie nur immer an, mein lieber Lichtenstein", rief Papa ihm zu, „ich höre!" Bei diesen Worten erschien der Sänger in der letzten geöffneten Thür und grüßte sein Auditorium. '