Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1886)
- Date
- 1886-11-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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r- :'ynprt:'Zferi *V?F*r3K***!\ J.U'»SWBW^BBpiWMpWI ein Unhold erscheint, der — 250 mehr.Schrecken als Schaden zu stiften vermag, halber Talmud (s. Hamburger II „Lilith") ihr Wesen schon bestimmter und fasslicher ausgedrückt. Danach w»' Lilith ein weibliches Nachtgespenst, welches besonders den Kindern nachzusteller pflegte, um sie zu töten, ähnlich den vogelartigen Strigen. Von diesen letzteren heißt es bei Ovid in den Fasten (übersetzt von E. Klußmann): „Nachts nur fliegen sie aus und bedrohen den schlummernden Säugling, Dem sie, der Wiegen, mtrafft, grimmig zerfleischen den Leib. Wühlen herum, wie man sagt, in dem zarten Gedärm mit den Schnäbeln, Während die Gurgel sich vollschlürft mit getrunkenem Blut." Diesen Strigen also haben wir uns die talmudische Lilith ähnlich zu denken. Nach anderen ebenfalls talmudischen Berichten ist Lilith nicht geflügelt, sondern ein schönes Weil und zwar das erste Weib Adams. Als sie nun aber, nach Rabbi Bensira, ihrm Gemahl aus Hochmut verließ (s. Soldan S. 175), klagte dieser sie bei Gott an, und drei Engel holten sie wieder zurück, nachdem sie ihr gedroht hatten, im Falle ihrer Weigerung täglich hundert von ihren Kindern zu töten. Sie willigte ein, indem sie sprach: „Lasst mich ziehen, weil es nun einmal meine Bestimmung ist, Kindern nach dem Leben zu trachten, den Knaben nämlich vor dem achten Tage nach der Geburt, den Mädchen aber vor dem zwanzigsten. Doch verspreche ich und schwöre bei dem lebendigen Gotte, daß ich die Kinder verschonen will, so oft ich entweder euch selbst oder eure Namen oder eure Zeichen auf einem Amulete erblicke." Die Engel, heißt es in dem Mythus weiter, gewahrten dies, und daher sei es gekommen, daß alle Tage hundert Teufel sterben utld daß den neugeborenen jüdischen Kindern ein Amulet mit den Namen der drei Engel Senoi, Sansenoi und Samangaloph umgehängt, und ebendieselben Namen an die vier Ecken der Wohnstube geschrieben werden. Adam lebte nun mit ihr, nach derselben Quelle, noch 130 Jahre nach der Fluth und wurde der Vater der sämtlichen Dämonen. Der Glaube nun, daß Lilith Adams erste Frau gewesen, empfahl sich den außerhalb des Judentums Stehenden am meisten. Er ging auch bald in den Vorstellungskreis der Christentums über. Ja, es scheint, daß die im Volk entstandene Anschauung von des Teufels Großmutter auf diese Erscheinung zurückzuführen ist. Lilith wurde alsbald eine Lieblingsfigur in dem phantastisch ausgeschmückten Hexenwesen des Mittelalters. Sie fand sich ebenso wie Teufel und Hexen regelmäßig in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberge ein. Auch Göthe hat ihrer in der Walpurgisnachtscene seines Faust gedacht und mit wenigen Strichen die akkadisch-babylonisch-biblische-talmudische Königin der bösen Dämonen gezeichnet. Faust: Wer ist denn das? . . Betrachte sie genau Lilith ist das. Wer? Adams erste Frau. Nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren, Vor! diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt! Weyn sie damit den jungen Mann erlangt, So läßt sie ihn so bald nicht fahren. Meph: Faust: Meph: