Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1886)
- Date
- 1886-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«PW('■> "V':' •:* --K- Wj,, | I IL UUI.JUp^P||^fJl|UJ und Umgebung kennen nach Frankfurt a. M., Umlaufe waren. Die für hart, besonders im Manieren, sodaß ein gab es auch Kreise, — 242 — durch den persönlichen Verkehr mit demselben empfangen, zu schildern.*) Es ist in der That für da- Verständnis eines hervorragenden Mannes von Bedeutung, ihn nicht nur aus seinen Schriften, sondern auch aus seinem Leben im Haus zu lernen. Herr Dr. Zirndorf kam am 7. April 1859 wo die verschiedensten Urteile über Jost als Menschen im einen hielten ihn für stolz, unzugänglich, schroff, ungerecht, litterarischen Verkehr, für geizig und von sonderbaren dauernder Verkehr mit ihm unmöglich wäre; jedoch „ wo man seine Bescheidenheit, seine Uneigennützigkeit, seine Dankbarkeit, seine Gefälligkeit, seine Güte, seinen Zartsinn, seinen Takt und seine Versöhnlichkeit anerkannte und pries. Zirndorf wagte sich am 9. April, zwei Tage nach seiner Ankunft, wie er schreibt, in die Höhle des Löwen und besuchte den jüdischen Geschichtsschreiber, der damals Langstraße Nr. 33 gewohnt hat. Die Behausung machte auf den Besucher den Eindruck des Klösterlichen, Weltvergessenes und erinnerte ihn lebhaft an die Zelle des gelehrten; Benedictiner-Abtes und späteren Bischofs von Speier,, Haneberg, des eifrigen Forschers auf dem Gebiete der jüdisch-mittelalterlichen Philosophie und Poesie, in dessen Bibliot^k kein hervorragendes Buch der neueren jüdischen Litteratur fehlte. Die Jost'sche Bibliothek betrug damals über 4000 Bände. Herrn Dr. Zirndorf war es erst gegönnt, Jost im Alter kennen zu lernen, denn, geboren am 22. Februar 1793 in Bernburg, stand Jost damals schon im 67. Lebensjahre. Seine äußere Erscheinung, war durch das Alter noch nicht gebeugt, nur ein ziemlicher Grad von Harthörigkeit, besonders am linken Ohre, erschwerte den Verkehr mit ihm, dessen Züge oft von einem charakteristischen ironische» Lächeln umzogen waren. Herr Dr. Zi mdorf begleitete oft den Historiker auf seinen Spaziergängen und schritt wie Famulus Wagner neben Faust mit ihm einher. Dieselben waren durch sinnige Gespräche gewürzt, unterbrochen nur durch viele Begegnungen aus dem Kreise seiner Bekannten, die bei ihm stehen blieben und oft auch eine Strecke Weges plaudernd mit ihm giengen. Jost, der in Frankfurt a. M., wie wir hervorgehoben, mehr durch die Gründung des israelitischen Frauenvereins, als durch seine Gelehrsamkeit bekannt war, führte jeden Fremden, den er seiner Aufmerksamkeit für würdig erachtete, auch dahin, um ihm das Denkmal zu zeigen, das man ihm, wie er sich ausdrückte, bei lebendigem Leibe gesetzt hat. Auch Zirndorf folgte! ihm dahin. Die Anstalt stand damals unter Leitung von Fräulein Weil, die inzwischen, was unserem Biographen nicht bekannt zu sein scheint, aus dem Leben geschieden ist. Jost gehörte nach der Ansicht Zirndorfs zu jenen glücklichen Naturen, bei denen Geist und Gemüt ebenmäßig entwickelt sind, woraus auch jene werkthätige Menschenfreundlichkeit zu erklären ist, die überall helfend eintrat, wo Not und Elend klaffende Lücken zeigten. Er war ein eifriger Sammler und Anreger von Unterstützungen, und er war nicht so leicht aus der Fassung zu bringen, wenn er auch hie und da auf sauertöpfische Mienen, auf Klagen über schlechte Zeiten und dergleichen stieß. Eines Tages verfügte sich Jost zum Herrn. Baron Mayer Karl von Rothschild, um ihn für eine bedrängte Familie um eine Unterstützung anzugehen, und fand ihn im Gespräche mit einem orthodoxen Juden, der zu einem ähnlichen Zwecke gekommen war. Herr von Rothschild war über den Zweck des Besuches des Geschichtsschreibers *) Isaak Märküs Jost und seine Freunde. Ein Beitrag zur Culturgeschichte der Gegenwart von Heinrich Zirndorf. Mt dem Bildnisse Jost's. (Leipzig und Rew-Hon. B. Westerntann & Co. 1886.)