Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1886)
- Date
- 1886-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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hauS in JftöHerta« feierte sein 100 jähriges Bestehen. Dieses segensreiche Institut wurde im Jahre 1786 von Herr« Ierrit gegründet. Gegenwärtig sind daselbst 70 Witwen untergebracht. — Das Rabbinerseminar in Amsterdam war im vergangenen Jahre von 75Hörern besucht. — In Kostow wurden sämmtliche Juden äusgewiesen und^in Kiew über hundert jüdische Familien. Hart ist das Loos der armen Familien. Wir können bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß die russis che Judenheit eine schwere Sünde begeht, ihren bedeutendsten Gelehrten, Herrn ÄalwbK rifmann, faktisch hungern zu lassen. Gaben für den hervorragenden Schriftsteller vermitteln wir gerne an Jakob Reifmann, der unter Not und Entbehrung wacker und unentwegt arbeitet und eine Leuchte Israels genannt zu werden verdient. — In einer kleinen Stadt in Rußland lebte ein Schlosser in glücklicher Ehe mit einer geschiedenen Frau. Bald erfuhr das dortige Rabbinerkollegium, daß er ein Kohen sei und er mußte sich von seiner Frau scheiden. Er heiratete zum zweiten Male, war über den ihm aufgelegten Verlust untröstlich und ließ sich von der zweiter Frau scheiden. Er bat die Rabbinen, sie mögen ihm doch erlauben, seine erftc Frau wieder zu ehelichen. Alles Jammern und Klagen half nichts. Der Mann, ein Opfer des Gesetzes, begieng aus Verzweiflung einen Selbstmord. — Kürzlich besuchte der Metropolit von Kiew, Plato«, die Stadt Krrmrntschuk, wovei^auch die jüdische Gemeinde durch eine Deputation, den Rabbiner an der Spitze, Salz und Brod überreichen ließ. Der hohe Kirchenfürst dankte auf's Herzlichste für dit Begrüßung, erkundigte sich nach der wirtschaftlichen Lage der hiesigen Juden, ob sie in Frieden mit der nichtjüdischen Bevölkerung leben, und als er besüedigende Auskunft erhalten, fuhr er fort: „Ich kenne die Juden, kenne sie »oii der besten Seite und bedauere nur, daß die Christen sie noch so wenig kennen gelernt haben, allein ich hoffe, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo das religiöse Gefühl bei der Menschheit gekräftigt werden und sie begreifen wird, daß die Bestimmung eines Christen in den Worten: „Liebe deinen Nächsten" liegt. Wen» i ran Euch um der Beschuldigung willen verfolgt, daß ihr Christenblutes bedürfet, so bedenket, daß es eine Zeit gab, in welcher auch die Christen wegen dieser Beschuldigung nicht wenig gelitten haben, und doch haben wir mit christlicher Geduld di: schweren Zeiten überlebt. Verzaget nicht! Ich wiederhole es. nicht mehr fern ist die ersehnte Zukunft, wo Euch helle, ftohe Tage anbrechen werden.". Mit mclch' freudiger Begeisterung diese schönen Worte des erlauchten Kirchcnfürsteii begrüßt wurden, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. — Im jüdischen Alterversorgungshause in Lublin starb ein Greis im Alter von 111 Jahren. - In k obiljaki in Rußland lebt, wie im „Hamelitz" berichtet wird, ein Mann namens Kobelitschlra im Alter von 138 Jahren, der gesund ist, Bienenzucht treibt und an einer Windmühle beschäftigt ist. Sein ältester Sohn ist 104 Jahre alt. — In Warf hau wohnen nach den letzten statistischen Aufnahmen 146246 Juden. — In Lulrarrli hat sich eine historische Gesellschaft unter dem Namen „historischer Verein Julius Barasch" gebildet, zuni Andenken an den rühmlich bekannten rum. jüdischen Geschichtsforscher gleichen Namens. Die Gesellschaft will die Maller allen zur Geschichte der Juden in Rumänien sammeln» Akten und Abschriften v ftcicller Urkunden, Auszüge aus geschichtlichen Werken, ReiskbksckreiblMgen, soweit sie.die Juden betreffen, Abschriften von Grabsteinen jüdischer Friedhöfe, Sammlungen mündlicher Ueberlieferungen aus alten Zeiten, sowie biografische Daten jener Männer, welche sich um das Land Rumänien und um die jüdische Sache verdient gemacht, z»lsammenstellen. Am Ende emeS jcken Beremsjahres soll eine historische Publikation erfolgen. Um die Gründuug der