Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1886)
- Date
- 1886-10-01
- Page
- Seite 237 (sequence 21)
- Language
- German
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237 — Geschichte, Gewohnheiten und Sitten der Bene Israel und der Cochinesischen Juden. — Frau Lophir Kaffalovich in Pari« wurde zum Mitglied« des Cobden Clubs ernannt. — Air Julian Goldschmid wurde zum Präsidenten der Anglo-Jewish- Association in Londan gewählt. — In Turin wurde im Spitale Z. Kiovanni Valtiste die Statue des am 25. Juli 1885 verstorbenen Advokaten, Karen Aleffandra Todros, der diesem Krankenhause 300,000 Lire und dem Armenasyle in dieser Stadt 200,000 Lire vermacht hatte, feierlichst enthüllt. — In .Rom wird demnächst mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen werden. — Dem in Livorno erscheinenden „Lunärio Jsraelitico" entnehmen wir folgende interessante Daten über die italienischen Juden. Ihre Anzahl beziffert sich auf 45,050. Auf ganz Italien (allerdings Jtalia inedenta inbegriffen) entfiele demnach mcht mehr als l°/p von den Juden Europas. Italien hat weit weniger Juden als etwa Wien allein. Eigentliche Judengemesnden giebt es in Italien 84. Der Autor des „Lunario Jsraelüico" scheint Jrredentist zu sein, denn'er zählt Triest zu Italien. Die Mehrheit der Inden in Triest besieht jedenfalls aus italienischen Juden, 5570 an Zahl. In Rom wohnen 5600 Juden. Die römischen Juden haben nicht einmal einen Oberrabbiner und sind eine schlecht organisierte Gemeinde. Die zweitgrößte Judengemeinde Italiens ist in Livorno, 4050 Juden. Turins Judenzahl beträgt 2600; Venedig hat 2500, Florenz 2400, Ferrara 1750, Ancona 1700, Modena 1700, Mantua 1430, Mailand 1100 Juden. Der Autor ist ein so großer Patriot, daß er die unpopulärste That Cavour's ignoriert und Nizza zu Italien zählt; es hat 1000 Juden, Verona 975. Eine der berühmtesten Judengemeinden Italiens hat Padua, 950 Seelen stark. An ihrer Spitze steht der ehrwürdige Rabbiner Lolli, Professor des Hebräischen an der Universität zu Padua, Schüler und Nachfolger des berühmten Luzzatto, der, ein Meister der hebräischen Sprache und überhaupt der orientalischen Sprachen, die Rabbinen Italiens heranbildete. Jetzt aber besteht die Rabbiner-Schule von Padua nicht mehr und Mantua ist nunmehr die Hochschule der italienischen Rabbinen; Rabbi Mortara leitet diese Schule. Die Zahl von 500 erreichen resp. überschreiten folgende Gemeinden: Casale mit 800, Neapel 650, Pisa 640, Genua 550, Reggio 545, Bologna 520, Vercelli 500. Sollte Sicilien keine Juden haben, daß Palermo gar nicht auf der Liste unseres Autors steht? Und die Handelstadt Bari sollte auch keine Juden haben? Man sprach in Rom jüngst von der Ernennung des berühmten Paduaner Nationalökonomen Luigi Luzzatti zum Unterrichtsministcr — und dieser ist zufällig Jude, was in Italien nebensächlich ist. Man argumentirte einfach so: Coppini, der gegenwärtige Unterrichtsminister, ist auch dem Namen nach nur ein Köpfchen (Coppmo-Köpfchen), ein Unterrichtsminister sollte aber ein Kopf sein, was der Jude Luzzatti zufällig ist. Die Möglichkeit, daß Luzzatti, ein intimer Freund des Ministerpräsidenten Depretis, Minister werde, ist noch nicht ausgeschlossen. Auch unter den Vicepräsidentcir der Kammer ist ein Jude, der reiche Venetianer Maurogonato, eine der ersten Kapazitäten Italiens auf dem Gebiete der Finanzen. Der jüdischen Deputirteu giebt es viele, z. B. Franchetti und Arbid. Auch im Senate sitzen Juden, z. B. Tullio Massarani, der bekannte Mailänder Kritiker, der Italien im vorigen Jahre am Grabe Victor Hugo's vertrat. An den Universitäten lehren viele jüdische Professoren und Italiens größter Sprachforscher ist der an der Mailänder Akademie lehrende Grvziado AScoli, ein Görzer Jude von Geburt. — Herr Hijmans van Peeneadaal in Kotterdam ist von der Königin von Spanien zum Ritter des Ordens JsabellaS der Katholischen ernannt worden. — Das jüdische Witwen-