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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-10-01 · Heft 10 (1.10.1886) · p. Seite 235

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 10 (1.10.1886)
Date
1886-10-01
Page
Seite 235 (sequence 19)
Language
German
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235 Aufgaben so geeignet gewesen wie Palästina, welches, von natürlichen Grenzen rings umschlossen, des Volkes Einheit und Einigkeit gesichert und doch zugleich durch seine Lage im Mittelpunkte dreier Weltteile eine Ausbreitung der Bestrebungen Israels nach allen Seiten ermöglicht habe. Jene nächste Aufgabe des jüdischen Volkes sei jetzt erfüllt; aber au seine Stelle sei schon längst wieder eine andere getreten: Die Verbreitung des Freiheitsgedankens. Und um diese Aufgabe würdig erfüllen zn können» sei die Wiedererlangung der Selbstständigkeit noch so notwendig» wie es im Altertum gewesen, und die Erwerbung keines Landes geeigneter als Palästina» die Urheimat der Freiheit. — Ein Volk — führte der Redner aus — welches eine so glorreiche Vergangenheit hat und trotz aller Stürme sich der Gegenwart bemächtigt, hat auch eine Zukunft zu erwarten; ein Volk, ohne eigenes Land aber ist nicht denkbar. Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag hatte die Wirkung, daß sich unmittelbar nach Beendigung desselben unter dem Namen „Esra" ein Lokalkomitä bildete» dem sofort recht ansehnliche Beiträge zur Verfügung gestellt wurden. Diese Thatsache ist recht bezeichnend für gewisse Kreise innerhalb des Judentums in Deutschland, und es wird an der Zeit sein solchen Bestrebungen, wenn sie nicht auf die indifferente Menge geistesverwirrend wirken sollen, ernstlich entgegenzutreten. — Von einem Mitglieds des Mendelssohn-Vereins sind uns anläßlich der Universitätsfeier in Heidelberg nachfolgende zwei Inschriften auf nebeneinander befindlichen Wandgemälden im Münchener Nationalmuseum zugegangen: Kurfürst Rup.... I. (Rupert oder ' Ruprecht?) schützt, der Einzige von allen Rheinischen Fürsten, die von der Wuth des Pöbels grausam verfolgten Juden, (1348). Kurfürst Rup.... I. gründet, die Universität Heidelberg, (1386). — Am 23. Juli starb in Karlsbad Herr Rabbiner P. Klein, der über 30 Jahre in Tördk-Kfl-Miklos als Rabbiner gewirkt _ hat. — In Nngvar starb am 1. August Herr Rabbinats-Assessor Salomon 8an;- frird im Alter von 92 Jahren. Er hat neben vielen anderen halachischen und haggadischen Schriften auch ein populäres kurzgefaßtes Compendium der Ritual- Vorschriften herausgegeben. — In Wien starb am IO. August Herr Dr. Jakob Kappoport, dessen Operationen an der Börse durch Umfang und Gewagtheit Aufsehen zu erregen pflegten. Der Verstorbene hat bekanntlich zum Andenken an seinen Vater 10000 fl. ö. W. zur Ausschreibung von Preisfragen auf jüdischlitterarischem Gebiete bestimmt. Es ist unseres Wissens keine zweite derartige Stiftung vorhanden und verdient schon der Verstorbene darum auch ehrend genannt zu werden. — Herr Solomon Kuder, der durch seine litterarische Thätigkeit rühmlichst bekannte Schriftsteller aus Lemberg, wurde, als er jüngst zum Sommeraufenthalte nach seinen Gütern in Galizien gieng, von den Bauern mit dem Geistlichen an der Spitze empfangen. Letzterer segnete Herrn Buber und die Bauern brachten nach alter Sitte Brod und Waffer. — Am 13. August kam es in Lemberg vor der Synagoge zu bedauerlichen Ausschreitungen. Leichte Verwundungen kamen vor und Verhaftungen wurden vorgenommen. Grund war, daß Viele in die Synagoge nicht eingelassen werden konnten, um einen Vorbeter zu hören, der zur Probe da war. Auch in Pilsen soll es zu Schlägereien in der Vorhalle der dortigen Synagoge zwischen Funktionären gekommen sein, wodurch ein großer Bolksauflauf hervorgerufen wurde. — In Kunäs wurde der Grundstein zu einem jüdischen Tempel gelegt. — Herr Advokat Dr. jur. Armin Kallay in Neutra fordert daselbst in einem Manifeste zur Bildung einer dem Zeitgeiste entsprechenden neuen Cultusgemeinde auf. — Herr Dr. Jfidor Kaumgarten in Budapest wurde zum Staatsanwalt am dortigen Gerichtshof ernannt. — 20*

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