Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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4 4 ■— 192 — Diese rate. ffioHottm des trab. Kynagogengesanges, ihr Perhättni»;u den Kirchenionbrten und den Tonarten der vorchristliche« Mustitperiobr von,Jos. Singer Obercantor in Wien. Im Besitze oben genannten Werkchens muß ich der Freude Ausdruck verleihen darüber, daß es ein:m Amtsbruder gelungen, mit einem Schlage Wahrheiten! an den Tag zu bri egen, die so lange unter der Decke der Nichtbeachtung geschlummert. Dem Entdecker der drei traditionellen, jüdischen Tonarten, die nun unangefochten als unser Eigentum der Musikgeschichte einverleibt werden, gebührt der volle Dank aller ernsten Musiker, insbesondere der jüdischen Cantoren, die nunmehr mit größerem Sebstbevußtsein unser ehrwürdiges Obasouus vor Unbill schützen werden. Nicht umsonst hat der gesch. Verfasser bereits von bedeutenden Musikern anerkennende Zu Fristen erhalten. Es wird ja wohl auch Kritiker geben, die da sagen: was Herr Tanger als so große Neuigkeit verbreitet, hätte ich längst gefunden wenn ich mir Mühe gegeben hätte und eine solch hervorragende, den besten musikalischen Kreisen zugängliche Stellung einnehmen würde. Das erinnert an das bekannte Ei des Columb as. Nein, vorliegende Arbeit muß als vollkommen geglückt bezeichnet werden.!^' Der bis zu seinem alzufrihen Ende dahier wirkende Eomponist Joachim Raff hat mir s. Z. eingeräümt, daß den Neginoth viel Melodien innewohnen und der jüdischen Liturgie ein System zu Grunde liegen müsse, das er genau festzustellen wünschte. Habe ich die große Bedeutung anerkannt, die dieses Werkchen und die darin uiedergelegte und durch Beispiele erhärtete Wissenschaft für uns hat, so stehe ich nicht an, an meine Kollegen zu appellieren, die so gewonnenen Tonarten möglichst zu verwerten, was im Solo-Vortrag resp. Recitatw leicht zu ermöglichen ist. Ob es aber wünschenswert wäre, für mehrstimmige Compositionen solche Tonarten zu verwenden; stoßen werden kann, als „alt-neuen" Tonarten und das erlaube ich mir sehr ob i er einmal maßgebende Geschmack insofern unigenan an Stelle der bisherigen Chor-Gesänge solche mit sichbaraus ergebenden Modulationen setzen dürfte, — zu bezweifeln. Wenn ein sosch neuer Musik-Stil überhaupt möglich wäre, bedurfte es der tüchtigsten Kräfte, die sich diesem Berufe mit ganzer Hingabe und großem Geschicke widmen. Am Schlüsse der interessanten Schrift verheißt der Verfasser „eine stilgerechte Harmonisierung der. Melodien" anzustreben und dann seine Thätigkeit als Nachfolger des allverehrten Nestor Sulzer als abgeschlossen zu betrachten. Ist Ersteres zu wünschen, so füge ich dem Letzteren noch hinzu: lieber wahrer AmtSbruder, Du bist noch viel'zu jung und hast im Verhältnis zu Deirkem Wissen und Können noch lange nicht genug geleistet. Du bist einer der Berufenen, regenerirend einzugreifen — Dein Ziel muß weiter gesteckt werden! Frankfurt a. M., den 1. Jyni 1886. S. Popper, Cantor der Hauptsynagoge. Inhalt: Ein altes Losungswort. Reform im Judentüme. schichte. Bortrag gehalteü macher. (Schluß.) -4- Ein r Monatsschau. — Mitteilch Salomon Friedländer. Ein.frühverstorbener Kämpfer für Bon N. Heilte. — Ueber djx Mäcenität in der jüdischen Ger im Kasinosaale zu Mannheim von Rabbiner vr. Steche!-. Brief Abraham Geiger's an Or. Jacob Pinhas in Eaffel. — ngen. — Referate. — Beilage. Hr, Verantwortlicher Redakteur ijmb Buchhandel bei Franz Benjam (F. W. Bxeidejn ausgeber Or. Adolf Brüll; in Kommission für den in Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei stein),-sämtlich in Frankfurt am Main.