Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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^'^M7M«WV»WWWWWDWDMPWMWWWWWW«MWYW ■PfQjPJB WWW — 189 — das arme Mädchen wieder seinem Vater zugeführt. — Am 23. Mai fand in (Tarnow die Jnflallirung des neuernannten Bischofs Ägaah Labusch statt. Zu der ihn aus diesem Anlasse begrüßenden Deputation sagte er: Juden und Christen sind mir gleich, ich wüßte keinen Unterschied und werde ich für die Wahrung ihrer Rechte stets bedacht sein. — Am 3. Juni fand die dreizehnte ordentliche Generalversammlung der Oesterreichischen Israelitischen Allianz statt, welche für die Juden in Galizien in Bezug auf Volksbildung, Handwerk und Ackerbau Großes geleistet. Im verflossenen Jahre wurden 47,000 fl. ö. W. verausgabt. Die Zahl der Mitglieder ist bis auf 3081 gewachsen. In den Vorstand wurden neu gewählt die Herren Loses M. Kitter von Pfeiffer und Sigmund Kitter von Kauer. — In Tyrnau starb ein Jude namens Leopold Altmann im Alter von 108 Jahren. — Eine Arbeiterversammlung, welche am 31. Mai in Klagenfurt tagte, sprach sich entschieden gegen den Antisemitismus aus. — Bei Beratung des Anarchisten- Gesetzes in: Wiener Parlamente hat der Abgeordnete Türk die Behauptung aufgestellt, die Juden wären in verhältnißmäßig großer Zahl bei anarchistischen Verbrechen beteiligt. Herr Abgeordneter Dr. Kioch wies diese Behauptung, die selbst Antisemiten nicht ernst nehmen können, entschieden zurück. — In Willroroijjhi starb am 23. Mai Herr Cliesrr Landau, ein Dnkel des berühmten Prager Oberrabbiners Ezechiel Landau, im Alter von 95 Jahren, nachdem er in dieser Stadt an 60 Jahren als Rabbiner gewirkt hat. — In Kiga wurde am 7. Mai ein Kind auf den jüdischen Friedhof gebracht, welches, als man am 8. Mai hinkam j um es zu beerdigen, noch lebte. Das Kind starb gewiß erst in Folge der j Rächtigung im Friedhofe an diesem Tage. — Die gegen die Juden gerichteten I Excesse am Osterfeste in Odessa veranlaßten den Erzbischof von Cherson die Orthodoxen zur Toleranz zu ermahnen. „In Rußland", sagt er, „lebten Christen und Juden friedlich beisammen, so lange unser Glaube feststand. Mit der zunehmenden Sittenverwilderung begannen die Judcnhetzen, welche westeuropäischen Ursprungs und durch die vom Westen aus verbreiteten anti-christlichen Ideen hervorgerufen worden sind." — Das Russische Kaiserpaar wurde am 16. Mai bei seiner Ankunft in Kaktschi-Saraja auch durch eine Deputation der dort starken Karaitengcmeinde begrüßt. Herr Chacham Pampulow hielt eine russische Ansprache. Die Herrschaften besuchten auch die Synagoge und haben an einem von den Karaeern im Gemeindehause veranstalteten Bankette teilgenommen, bei welchem die Notablen der Gemeinde und deren Töchter bedienten. — Interessant ist die Mitteilung, daß der Antisemitismus auch nach Sibirien gedrungen sei. Die „Sibirskaja Gazeta“ schreibt darüber: „Wer hätte geglaubt, daß in Wercholensk(Gouvernement Irkutsk, 5886 Werst von Petersburg), wo ein einziger Jude wohnt, eine antisemitische Bewegung würde entstehen können. Und doch wurden in den ersten Tagen des verflossenen November auf verschiedenen Punkten der Stadt aufregende Plakate affichirt, die zur „Vertreibung der Juden" aufforderten. Die Ankündigungen wiesen die stadträthliche Erlaubniß auf. — In Ostende soll auf Kosten der Stadt eine Synagoge erbaut werden. — Das „Heim" für gefallene Mädchen in London, dessen Präsidentin Lady de Rothschild ist, hat seinen ersten Bericht ausgegeben. Ein Agent des Vereins ist bei Ankunft der Schiffe aus Hamburg zugegen und bringt besonders polnisch-jüdische Mädchen, die in London keinen Verwandten und Annehmer haben in's „Heim". Verbunden ist mit dieser Anstalt ein Logirhaus für stellenlose jüdische Mädchen. — Aus der Rede, welche der Herzog von Kryyll am 24. Mai im englischen Oberhause in Betreff der Schwägerin-Bill hielt, verdienen folgende Sätze herrorgehoben zu werden: „Wir