Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1886)
- Date
- 1886-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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DM^WWMWWWWW — 187 — dieses für seine Gemeinde denkwürdigen Tages. — Der bekannte Moralstatistiker aus Dorpat, Herr Prof. v. Oettinger, hat eine Schrift: „Was heißt christlichsocial" herausgegeben, in der er die durch Stöcker inangurirte Bewegung einer eingehenden Kritik unterzieht. Stöckers leidenschaftliches Parteileben, sein Mangel an Besonnenheit, seine unheilvolle Vermischung von Evangelischem Christentum und weltlicher Socialpolitik, schreibt Oettinger, hat der Sache des Reiches Gottes auch unberechenbaren Schaden zugefügt — die öffentliche Meinung irre geführt. Auch Herr Prof. Wagner sagte in Berlin, nachdem Stöcker in einer Versammlung am 33. Mai über „deutsche Jugend, nationale Idee und Judentum" gesprochen: Man' solle das Judentum nicht bei jeder Gelegenheit in die Debatte ziehen und es nicht zum Prügelknaben für alles machen. — Herr Pinkert-Wal-egg, eine Säule der antisemitischen sogenannten Reformbewegung, Begründer und Redakteur der „Reform" in Dresden, hat seine Zahlungen eingestellt. — Der bekannte Antisemitenführer Kebermann v. Ionnrnbrrg ist nach Brasilien ausgewandert. — Die Petitionskommission des deutschen Reichstages hat beschlossen, die Eingabe des Verbandes deutscher Thierschutzvereine, daß die Thiere vor dem rituellen Schlachten betäubt werden sollen, dem Fürsten Reichskanzler zur; Nachachtung zn empfehlen. Würde die Liebe zu den Menschen doch der Liebe zu den Tieren gleichen! Es scheint fast, daß wenn erstere fehlt, letztere sich einstellt. — Herr H. Lippmann, Prof, der Physik an der Sorbonne zu Pari», ist eineri der zwei Delegirten, welche die Akademie der Wissenschaften zur Feier des 400jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg entsendet. — In Freiburg tritt ein Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsatten unter den Israeliten des Badischen Oberlandes in's Leben. — Aus Wien schreibt uns Herr Äsidor Zinger: In der am Sonntage den 11. April d. I. stattgehabten ersten Generalversammlung des Tt. Leopoid-Kirchenbauvereins zu Gersthof bei Wien, der u. Ader Cardinalfürsterzbischof von Wien und die Oberhofmeisterin Gräfin Schönfeld als Stellvertreterin der Proteftorin des Vereins, Erzherzogin Maria Theresia, beiwohnten, sprach der Sekretär den Wunsch aus, daß die schwebenden Unterhandlungen mit dem gegenwärtigen Eigenthümer des für den Bau der Kirche beabsichtigten Grundes zu einem günstigen Abschlüsse kämen. „Kaum hätte der Sekretär seinen Bericht beendet" — ich citire hier das „Vaterland", das Organ der österreichischen Klerikalen und des Feudaladels — „da erhob sich der der Versammlung beiwohnende Grundeigentümer, Herr Albert Dub. und legte auf den Tisch des Präsidiums eine Urkunde nieder, in welcher es schriftlich zum Ausdrucke gebracht ist, daß er dem „St. Leopold-Kirchenbauvereine in Gersthof" die ganze Area von 834 Quadratklaftern im Werte von 8340 fl. schenke. Natürlich wurde diese hochherzige Spende von der Versammlung mit stürmischem Beifalle ausgenommen. Dieselbe ist aber auch um so höher anzuschlagen, als einerseits mit Bestimmtheit angenommen werden kann, daß mit der fortschreitenden Äauthättgkeit der geschenkte Baugrund wohl schon in kürzester Zeit den doppelten Wert repräsentieren dürfte, und andererseits, daß der Spender nicht der kacholischen Religion angehött (Herr Dub ist Jude), das schöne Werk in einem um so schöneren Lichte erscheinen läßt." Zur Charakterisierüng des Herrn Dub mögen zwei Stellen aus der Schenkungsurkunde desselben dienen: .... Am ersten Einweihungstage werde ich fünf arme Knaben und fünf arme Mädchen mit Bekleidung und Beschuhung beschenken, und werde eine freudige Genugthuung empfinden, wenn diese Äng auch Andere ermuntert, der Armen zu gedenken und alljährlich den >i Tag der Kircheneinweihung zu einem Freudentage der Darbenden zu 16* MMMM m mM