Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Blicke vorhergesehen. Der fleißigen und erschöpfenden Abhandlung wurde lebhaft applaudirt. Zu Schluß der schönen den Manen des unsterblichen Mannes würdigen (feiet enunzirte der Präsident Dr. Herzog den einstimmigen Beschluß des Vereins, wonach die verlesenen Abhandlungen, die Ode und die Gedächtnisrede als „Zunzheft" baldigst im Drucke erscheinen werden. — In Pagy-Valschkai in Ungar» wurden zwei jüdische Häuser durch Dynamit zerstört. — Am 28. April durchzogen in Graz Arbeiter, deren Versammlung aufgelöst wurde, mit dem Rufe „Nieder mit den Antisemiten" die Stadt. — Der Hausbesitzer Ferdinand Mandl in Grinzing wurde wegen des erlassenen antisemitischen Circulars „Ein nothgedrungenes Wort", in welchem er aufforderte Juden nicht als Sommerpartien aufzunehmen, zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt Dr. v. JMftt bezeichnet« in seinem Schlußantrage den Antisemitismus als einen Schandfleck des Jahrhundert und ergriff die Nichtigkeitsbeschwerde, weil hier Arreststrase am Platze sei. — Der bekannte Dichter Rosegger wird von den Antisemiten beschuldigt, von Juden bestochen zu sein, weil er nicht ganz unfrcundliche Gesinnungen für dieselben hegt. — Daß die Juden das Handwerk lieben, kann man daraus ersehen, daß, wie aus einer Eingabe der Handwerker in 8ernowih an die Regierung, die Sonntagsruhe betreffend, zu ersehen ist, daselbst unter 843 Handwerkern 367 jüdischen Glaubens sind. — Im Jahre 1885 sind in Wie« aus dem Judentum 248 Personen, männliche 146 und weibliche 102, ausgetreten. Ins Judentum ein- und zurückgetreten sind 63 Personen. — Herr Karo« v. Hirsch in Pari» hat für die Abgebrannten in Strgj ohne Unterschied der Konfession dem Hilfskomite vorerst 100000 Francs überwiesen. Ein Herr Ä. Steller, Christ, aus Podmolotfchioka hat den Betrag von 10 fl. ö. W. mit dem ausdrücklichen Vorbehalte gespendet, daß diese Summe nur unter den christlichen Abbrändlern verteilt werde. Ist das die christliche Liebe? Seit wann stagt man auch bei großen Unglücksfällen nach der Konfession der Betroffenen? Wer mit so geringer Gabe noch das Gefühl der Barmherzigkeit und Mildthätigkeit schändet, sollte mindestens geheim und verschämt geben. Herr Prediger Löwensteia aus Lemberg hielt in der Synagoge in Stryj eine ergreifende Rede und ermahnte seine Hörer zur Eintracht und Brüderlichkeit, da die uneinige Gemeinde bereits mit Waffer und Feuer gestraft wurde. — Am 25. Mai war der hundertjährige Geburtstag Fremont Halevi'». des Componisteu der „Jüdin". Die Pariser Oper markierte diesen Tag durch die fünfhundertste Aufführung dieser Oper und durch eine besondere Feier. Halevy hat auch der Synagoge seine Kunst geyeiht. Der in Naumburg's Werk aufgenommene „Min Hamezar“, der in vielen Gemeinden an den hohen Festtagen gesungen wird, hat, wie der „jüdische Kantor" hervorhebt, Halevy zum Verfasser. — Herr Dr. Aron Kriman meldete sich bei dem Rabbinate zu Kom. um in's Judentum zurückzukehren.' Hoffen wir, daß er dem Christentum erhalten bleibt! — In Pisa hat Herr P. Kenedetti sein Amt als Oberrabbiner angetreten. — In Alefsandria starb im 91. Lebensjahre der-Chacham Samuel Pitala. — In Ferrara ist der Schriftsteller Guifeppe Wrini zum Judentum zurückgekehrt und nahm den Namen seiner väterlichen Familie ,.del Aetchi" an. — In Algier starb jüngst ein Mann, der vor einigen Jahren sich eine gewisse Berühmtheit erworben, Rabbi Mordechaj Adi-Lroun, aus Alcka ln Maroflo. Derselbe hatte lange Zeit ein kaufmännisches Geschäft in Cimbubt« betrieben, war dann nach Nord-Afrika zurückgekehrt und unternahm vor fünfzehn Jahren eine nochmalige Reise nach dem Sudan zu wiffenschaftlichen Zwecken, und zwar auf gemeinschaftliche Kosten des ftanzösischen Vize-Konsuls in Mogador, Herrn