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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-07-01 · Heft 7 (1.7.1886) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 7 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 dadurch nicht nur zu ihrem eigenen Vorteil, sondern vor allem zu Gunsten ihrer Stammesbrüder wirken konnten. . Freilich, wenn auch die Heilkunde schon seit uralten Zeiten mit er den Juden gepflegt wurde, so deutet doch nichts darauf hin, daß der Stand der Heilkünstler in der Jugendzeit des israelitischen Staatslebeus irgend welche Vorrechte unter den übrigen genossen hat. Bekanntlich war die ärztliche Wissenschaft ,n den Kreisen der Leviten heimisch» vielleicht, weil der Opferdienst, den sie zu verrichten hatten, sie mit dem Bau des thierischen Organismus bekannt machte und ihnen analoge Schlüsse nahe legte auf den Menschen und seine innere Körperbeschaffenheit. Allein das Ansehen der Leviten unter den übrigen Stämmen war nicht sehr groß, da sie größtenteils arm und ohne Landbesitz waren und ihre Einkünfte lediglich in dem Zehnten und den sonstigen Beiträgen für den Kultus bestanden, welche die übrigen Stämme zu leisten hatten.!! Dazu kam, daß der Aberglaube, der durch Jahrhunderte die Gemüter der Juden in den alten Zeiten beherrschte, viele Krankheiten aus die Einwirkung schädlicher Dämonen und sonstiger zauberischer Einflüsse zurückführte, so daß man, anstatt zur Beseitigung von hartnäckigen Lähmungen, von Aussatz j und von anderen ähnlichen- Krankheiten den Rat des Arztes zu suchen, sich lieber an die Dämonenbeschwörer wandte, deren es besonders unter den Essyern viele gab, damit sie nach den Vorschriften des Salomonischen Geheimbuches (Sefer Refuöt) die bösen Geister austreiben und dadurch das Uebel beseitigen sollten. Natürlich wurde dadurch die Achtung vor dem ärztlichen Stande bei der Menge nicht gerade gehoben. Sodann gab es damals unter den frommen Israeliten viele, welche die Heilkunst verschmähten und als ein sündiges Thun betrachteten, weil die körperlichen Leiden nur durch Gebet zu Gott abgewendet werden sollten. Jesus Sirach war es unter Anderen, der dem gegenüber, freilich mit wenig Erfolg, betonte, daß die Aerzte und ihre Mittel notwendig und daß auch sie von Gott zu diesem Zwecke geschaffen seien. Allmälig jedoch hat, wie gesagt, die Heilkunde mit fortschreitender Erkenntnis auch bei den Gesetzeslehrern Pflege gefunden, und diese, welche die Geister ihres Volkes beherrschten, haben denn auch die ärztliche Wissenschaft im Laufe der Zeiten auf eine höhere Stufe der Auerkenuuiig und der Wirksamkeit gebracht. Wenn wir nun die Geschichte des jüdischen Volkes von den Anfängen desselben bis zu dem heutigen Tag dnrchblicken und die Summe dessen ziehen, : was die.jüdischen Aerzte für ihr Volk geleistet und wie sie das Judentum in seiner äußern und inner» Entwicklung beeinflußt haben, so kann die medizinische Kunst, die ja an sich in ihrer Ausbildung und Pflege auf wirklich wissenschaftlicher Grundlage den Inden soviel zu verdanken hat, mit Stolz und Genugthuung auf dasjenige blicken, was ihre Söhne auch auf andern Gebieten des Lebens Hervorragendes geschaffen und gewirkt haben. Sie haben in ihrer überwiegenden Mehrzahl stets hervorgeleuchtet als Vorbilder rein menschlicher Tugenden und Vorzüge. Sie haben ihre Glaubensbrüder auf die Wege des Guten und Schönen geleitet, und wo sie eine größere Macht und einen bedeutenderen Einfluß in Händen hatten, z. B. als Leibärzte, als Staatsmänner und Ratgeber der Könige uud der Großen — Gamaliel Batraah am Hofe des Kaisers Theodosius II., Zedckias bei Karl dem Kahlen, Isaak Israeli bei dem Chalifen Ubaid Allah in Egypten, desgleichen Dunasch ben Tamim beim Chalifen Jsmael Almansur, Sabbatär Donolo beim byzantinischen Bicekönig

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