Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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PopM -M88M8cWlicliq onatSiblHtt jur Mefcöniug üöei* öns 3 üben tum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Bröl l. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 6. Jahrgang. Frankfurt «. M., den 1. Juli 1886. Nummer 7. Die jüdische»! Aerzte in der Geschichte des Judentums. i Bon Dr. med. Simon Scherbe! in Lissa. Es ist ein merkwürdiges Phänomen, wie wir es bei keinem andern Volke in den Büchern der Weltgeschichte verzeichnet finden, daß Männer aus einer bestimmten .Klasse der Bevölkerung einen so hervorragenden und oftmals entscheidenden Einfluß auf die Geschicke ihrer Nation ausgeübt haben, wie es beim israelitischen Volke der Fall war und wie es sich ausprägt in der bedeutungsvollen Stellung, welche jüdische Jünger der Heilkunde zu verschiedenen Zeitpunkten inmitten ihrer Glaubensgenossen eingenommen haben. Wodurch dies begründet war, wodurch gerade die Arzte im Volke der Juden so oft berufen wurden, zumal an den Wendepunkten seiner Geschichte, eine das Allgemeinwohl fördernde Thätigkeit zu entfalten, die dies Volk immer weiter hinaufführte auf die Höhe der Aufgabe, welche es als Träger einer heiligen und erhabenen Miffion zu erfüllen hatte, es ist ein Rätsel, wie es deren ja so viele giebt in dem wunderbaren Werdegange, den das Judentum im Laufe der Jahrtausende genommen hat. Viel hat ja sicherlich der Ulnstand dazu beigetragen, daß die Gesetzeskundigen im jüdischen Volke, die ja stets unter chreir Glaubensgenossen eine maßgebende Stellung einnahmen, vielfach die Heilkunde als Brotstudium getrieben haben, weil sie für die Auslegung der Gesetze und den Unterricht darin lange Zeit hindurch nicht besoldet wurden. Dabei sind sie wohl immer mehr zu der Einsicht gelangt, wie sehr sie als Aerzte den Schlüssel in Händen hatten für die Herzen derjenigen, welche die Geschicke der Juden beeinflußten, und wie sie